Bedeutung für die Erziehung

Die Persönlichkeit des Kindes ist bereits nach etwa vier Jahren weitgehend entfaltet. Das "Zweimalzwei der Erziehung" konzentriert sich denn auch auf die beiden ersten Phasen der Erziehung, in denen es um die beiden fundamentalen Themen der Vertrauensbildung (bis etwas zwei Jahre) beziehungsweise der Willensbildung (bis etwa vier Jahre) geht. Danach sollte das Kind genügend reif sein, um sich weitgehend selbständig weiterentwickeln zu können und die Erziehungsarbeit der Eltern kann sich auf eine Art Begleitung beschränken.

Hat das Kind in diesen ersten Jahren zu wenig Selbstvertrauen entwickeln können oder ist sein Wille noch zu wenig kultiviert, ist auch seine Persönlichkeit noch zu wenig reif, sodass die Sozialstation schwierig wird. Die Gründe für diese Unreife sind aber nicht etwa beim Kind zu suchen, sondern bei den Eltern, die dem Kind in dieser alles entscheidenden Zeit zu wenig Vertrauen entgegengebracht oder keine angemessenen Grenzen entgegengesetzt haben (wobei in den allermeisten Fällen um beide Themen betroffen sind).

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Vorbemerkung

Das "Zweimalzwei der Erziehung" beschäftigt sich also grundsätzlich nur mit den ersten beiden, aber alles entscheidenden, Phasen der Erziehung, das heisst bis zum Alter von etwa vier Jahren. Entsprechend ist auch das Zielpublikum definiert, nämlich in erster Linie werdende oder "frisch gebackene" Eltern. Denn sind die Kinder erst einmal da, schwinden die Kapazitäten rapide, um sich noch grundsätzliche Gedanken zur Erziehung zu machen.

Die Möglichkeiten der Erziehung hören also ziemlich genau dann auf, wenn viele Eltern leider erst Schwierigkeiten feststellen. Es kann dann bloss noch um Korrekturen gehen. Für diese Eltern, aber auch für alle anderen Personen, die sich um die Folgen mangelnder Erziehung in den ersten Jahren kümmern, bleibt das Mittel der Nacherziehung. Die Korrektur von Erziehungsfehlern ist zwar nicht unmöglich, doch ungleich anspruchsvoller und um ein Vielfaches aufwändiger!

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Problematik und Möglichkeiten der Nacherziehung

Gleichzeitige Entwicklung von Vertrauen und Grenzen

Erziehung ist unbestritten eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Gleichzeitig wäre die Aufgabe mit an sich einfachen Mitteln zu lösen, wenn sich die Eltern zuvor wenigstens zweier Rahmenbedingungen bewusst würden:

Das erleichtert in der Erziehung sehr vieles, da Sie sich als Eltern zunächst einmal fast ausschliesslich auf das erste Thema, also Ihr Vertrauen in die Grundbedürfnisse und in die Fähigkeiten des Kindes, konzentrieren können. Erst wenn das Kind beginnt, seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, kommt ein ganz anderes, scheinbar diametral entgegengesetztes, Thema hinzu, nämlich Grenzen, die Sie dem Willen des Kindes entgegensetzen müssen. Von diesem Zeitpunkt an haben Sie als Eltern gewissermassen zwei Instrumente zur gleichen Zeit in der Hand (vergleichbar mit den drei Pedalen beim Autofahren: Gas, Bremse und Kupplung, die Sie auch mit zwei Füssen situativ und aufeinander abgestimmt bedienen können müssen).

Das Problem bei der Nacherziehung ist nun, dass Sie die beiden Kernkompetenzen (Vertrauen und angemessen Grenzen setzen) nicht mehr nacheinander und zunächst von einander unabhängig lernen können, sondern gleichzeitig lernen müssen (denn das Kind hat sich ja unabhängig der mangelnden Erziehung weiterentwickelt!). Das ist, als ob Sie beim lernen Autofahren gleich von Anfang nicht bloss Gas geben und Bremsen lernen müssten, sondern auch gleich noch lernen müssten den Gang zu schalten (was anfangs ja der Fahrlehrer übernimmt). Diese Aufgabe ist offensichtlich sehr anspruchsvoll, wenn auch nicht unlösbar.

Therapeuten kennen diese Problematik nur zu gut: Wohl müssen sie zuerst zum Klienten eine Vertrauensbasis aufbauen, doch ist die Gefahr dann gross, dass der Klient vor lauter Vertrauen dem Theraputen zu nahe kommt (oder umgekehrt der Therapeut dem Klienten), sodass sich der Therapeut wiederum abgrenzen muss. Erst wenn es gelungen ist, ein Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zu schaffen, kann von einer tragfähigen Beziehung gesprochen werden, sodass überhaupt eine therapeutische Wirkung möglich wird.

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Verschiebung des Einflusses von den Eltern auf die Umwelt

Wenn das Kind erst einmal in die (Vor)Schule kommt, sollte es eigentlich genügend reif sein, um sich sozialisieren zu können. Das bedeutet insbesondere, dass es seine Persönlichkeit ausleben kann und gleichzeitig die Bedürfnisse zum Beispiel seiner Kameraden respektieren kann. Hat es diese Reife noch nicht und sind die Eltern nicht zugegen, wird automatisch seine Umwelt aktiv, die sich zum Beispiel durch das Kind, das Mühe mit Regeln hat, gestört oder provozier fühlt. Das können Spielkameraden, Lehrer, Nachbarn oder auch der Hauswart und beliebige andere Autoritätspersonen sein. Das offensichtliche Problem dabei ist, dass Sie als Eltern nicht mehr mitbekommen, wer aus welchem Antrieb und mit welchem erzieherischen Geschick Ihr Kind zum Beispiel massregelt. Für das Kind ist die Gefahr dann gross, dass es schikaniert oder im schlimmsten Fall gar missbraucht wird.

Wenn Sie also nach den entscheidenden Phasen der Erziehung Defizite in der bisherigen Erziehung bemerken, müssen Sie besonders streng und sorgfältig mit Abmachungen und Vereinbarungen arbeiten. Das Motto ist dann tendenziell eher "Vertraue, doch prüfe nach!" (statt einfach nur zu vertrauen). Denn das Kind nimmt sich nun sehr schnell andere Vorbilder, sodass der Kontakt zu seinen Eltern unbedingt wieder gestärkt werden muss. Das geht am besten mit klaren Regeln.

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Eigenständigkeit statt Selbständigkeit

Ein ungenügend erzogenes Kind wächst natürlich trotzdem weiter. Das Problem ist aber, dass es sich dabei zu wenig entwickelt, um genügend selbständig und beziehungsfähig zu werden, da ihm das Selbstvertrauen und der kultivierte Umgang mit seinem Willen fehlen. Solange aber der Lebenswille noch da ist, wird es sich irgendwie durchzuschlagen versuchen, auch wenn es aneckt (oder umgekehrt kuscht). Das kann immerhin zu einer gewissen Eigenständigkeit führen. Das heisst, das Kind kann unter Umständen bestimmte Kräfte mobilisieren, um sich trotzdem oder erst recht zu behaupten oder Strategien entwickeln, sein Potential anderweitig auszuleben. Das Problem der Eigenständigkeit ist jedoch, dass etwas zur Selbständigkeit fehlt, nämlich die Beziehungsfähigkeit: Ein eigenständiger Mensch kann zwar für sich allein leben, doch hat er Mühe, fruchtbare Beziehungen einzugehen.

Wenn Sie einem Kind helfen wollen, das sich gewissermassen allein durch das Leben schlagen muss, sollten Sie vor allem Wert auf Beziehungsarbeit legen, indem Sie ihm zum Beispiel immer wieder sagen, was Sie an ihm schätzen und was Ihnen nicht gefällt. Je persönlicher Ihr Feedback, desto besser. Sie können es auch nach seinen Gefühlen fragen (gerade wenn Sie zum Beispiel feststellen, dass es von anderen Kindern ausgeschlossen wird). Idealerweise ist das natürlich alles die Aufgabe der Eltern, doch können Kinder durchaus bei anderen Menschen das holen, was sie brauchen. Sie sollten sich dabei allerdings bewusst sein, dass es sich um eine Gratwanderung handelt: Ein Kind, das von den Eltern zu wenig Erziehung erhält und deshalb die Beziehung zu Ihnen sucht, wird an dieser festhalten wollen. Das heisst, Sie sollten nicht nur sorgfältig mit dieser Nähe umgehen, sondern auch immer wieder die Distanz beachten, da Sie ja nicht die Eltern sind und sich deshalb zum Bespiel auch nicht für ewig verpflichten können oder wollen.

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Idole statt echte Vorbilder

Häufige Folge ungenügender Erziehung und somit von mangelnder Beziehungsfähigkeit ist die Verherrlichung von Idolen (wobei es keinen wesentlichen Unterschied macht, ob diese aus dem Showbusiness, dem Sport oder Sekten stammen!). Denn zu einem weit entfernten, sowieso unerreichbaren Verehrten braucht es keine Beziehung, man kann diese Person vielmehr so idealisieren, wie es einem gerade passt (Idole und Gurus spüren davon ja in der Regel lediglich in Form von finanzieller Zuwendung!). Das ist natürlich alles andere als ein echtes Vorbild, das einem nahe steht und zu dem das Kind auch eine wirkliche Beziehung aufbauen kann.

Wenn Sie mit Kindern arbeiten, die zu sehr an Idolen hängen, können Sie zum Beispiel fragen, was ihnen denn so gefällt an diesen "Helden". Versuchen Sie dann diese Eigenschaften im Kind selbst zu suchen und zu wecken. Denn meistens handelt es sich lediglich um Projektionen, das heisst, die im Idol verehrten Eigenschaften wären eigentlich die eigenen, allerdings unentdeckten und deshalb unterentwickelten Fähigkeiten des Kindes.

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Mehraufwand für die Nacherziehung

All diese Probleme führen dazu, dass Nacherziehung ein Mehrfaches an Aufwand bedeutet. Es braucht zudem nicht nur viel mehr Zeit und Geduld, sondern auch noch mehr pädagogisches Geschick, wenn nicht gar eigentliche Therapien. Selbst wenn Eltern also erkennen, dass sie in den ersten Jahren etwas verpasst haben, wird es ihnen danach nur noch mit sehr hohem Aufwand möglich sein, etwas nachzuholen beziehungsweise zu korrigieren. Kommt hinzu, dass sie dieses Manko regelmässig erst dann entdecken, wenn es bereits zu spät ist, nämlich wenn das Kind eigentlich bereits reif für die Sozialisation sein sollte. Das "Zweimalzwei der Erziehung" richtet sich denn auch in erster Linie an werdende Eltern: Sie sollten sich frühzeitig Gedanken zur Erziehung machen und nicht erst, wenn es Probleme gibt!

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Nacherziehung durch die Eltern

Wahrnehmung von Erziehungsmängeln

Wenn Eltern feststellen, dass sie mit ihrem Kind "Schwierigkeiten haben" (oder hören, dass es in der Schule "Mühe macht"), ist es also in der Regel bereits zu spät. Die Feststellung kommt nämlich meistens erst mit der Sozialisation, also nach den für die Erziehung alles entscheidenden ersten vier Jahren. Zudem werden die meisten Eltern in solchen Situationen die Ursache für die Probleme höchst selten bei sich selbst suchen, sondern zuerst einmal das Kind abklären lassen, ob es irgendwelche Behinderungen hat oder die Ursache zum Beispiel in der (Vor)Schule suchen.

So sind denn die Fälle eher selten, dass sich Eltern eingestehen können, dass eigentlich sie selbst Hilfe nötig hätten. Kommt hinzu, dass sich die wenigsten Eltern von Dritten sagen lassen, dass sie etwas in ihrer Erziehungsarbeit ändern könnten und sollten, denn von Natur aus geben sich die allermeisten Eltern ja Mühe und sind in der Regel auch von der Richtigkeit ihrer Arbeit überzeugt (was im übrigen nicht einfach schlecht ist, da das Gespür der Eltern eigentlich schon einmal eine wichtige und gute Voraussetzung für die Erziehung ist!).

Trotz allem: Eltern sind und bleiben immer die Ersten, wenn es um die Erziehung geht und sollten auch die Ersten bleiben, wenn es um Nacherziehung geht! Es geht dabei nicht nur um die Verantwortung der Eltern, sondern auch um das Recht des Kindes auf seine Eltern. Wann immer nur möglich, sollten deshalb die Eltern so weit gestärkt werden, dass sie ihrer Erziehungsarbeit in einem einigermassen befriedigenden Ausmass nachkommen können. Denn von allen betroffenen Kindern hört man durchwegs, dass es für sie kaum etwas Schlimmeres gibt, als von den Eltern verlassen zu werden (wobei es für das Kind überhaupt keinen Unterscheid macht, ob die Aktion von der Eltern selbst oder zum Beispiel von einer Aufsichtsbehörde ausgeht, das Kind also von dieser der Obhut der Eltern entrissen wurde!). Das Mittel dazu ist eine intensivierte Erziehungsarbeit, denn um zu korrigieren, braucht es nun sehr viel mehr Engagement.

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Reflexion über die bisherige Erziehungsarbeit

Wenn Eltern sich eingestehen können, dass sie in ihrer Erziehungsarbeit etwas ändern sollten, ist schon ein erster wichtiger Schritt gemacht. Falls Sie die Änderung mithilfe des "Zweimalzwei der Erziehung" angehen wollen, sollten Sie zunächst die beiden wichtigsten Themen

durchzugehen und sich zu fragen, ob die dortigen Aussagen für Sie überhaupt Sinn machen. Denn es macht überhaupt keinen Sinn, einfach irgendwelche Ratschläge mechanisch zu befolgen, wenn Ihr eigenes Gespür sich sagen wehrt. Sie müssen schon überzeugt davon sein! Notieren Sie sich zum Beispiel die drei wichtigsten Punkte, die Sie erkannt haben und an denen Sie arbeiten könnten. Achten Sie dabei darauf, dass es um Dinge geht, die in Ihrer Verantwortung liegen, Dinge also, die Sie auch selbst ändern können und nicht etwa Umstände, die von Dritten gegeben sind!

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Änderung der Einstellung

Beginnen sollten Sie immer mit Ihrer Einstellung zu Ihrem Kind. Denn die Einstellung hängt einzig von Ihren Gedanken ab, sie können Sie also immer und selbst ändern, völlig unabhängig davon, wie die äusseren Umstände sind! Prüfen Sie dazu zunächst folgende Fragen:

  • Kenne ich die Grundbedürfnisse meines Kindes? Viele Problem entstehen, wenn Eltern die wirklichen Grundbedürfnisse des Kindes nicht von blossen Wünschen unterscheiden können.
  • Kenne ich die Fähigkeiten meins Kindes? Kinder machen auf viele Eltern zunächst einen völlig hilflosen Eindruck. Das stimmt allerdings nur bedingt, denn das Kind hat bereits alle Fähigkeiten, die es baucht, Sie müssen es diese bloss noch selbst (!) entwickeln lassen.
  • Glaube ich daran, dass mein Kind mit mir kooperiert? Kinder sind zwar sehr anspruchsvoll, was den Aufwand ihrer Betreuung anbelangt, doch sind sie deswegen nicht etwa die natürlichen Feinde des elterlichen Lebens. Werden Sie sich also der Kooperationsbereitschaft Ihres Kindes bewusst und staunen Sie, wie sehr auch dem Kind an Ihrem Wohlergehen gelegen ist.
  • Überfordert mich mein Kind? Kinder sind nahezu grenzenlos, wenn sie zur Welt kommen und ihre Bedürfnisse sind scheinbar unendlich. Sie müssen sich deshalb Gedanken darüber machen, welches Ihre eigenen, berechtigten Bedürfnisse sind, welches die Grundbedürfnisse des Kindes und wie Sie sich allenfalls Hilfe organisieren können, wenn Sie sich überfordert fühlen.
  • Wie strukturiert ist mein eigenes Leben? Wenn das Leben der Eltern nicht genügend strukturiert ist, wird es mit Kindern erst recht schwierig. Denn erstens werden Sie sehr schnell zu wenig Kapazitäten haben und sich folglich überfordert fühlen, und zweitens benötigen Kinder Struktur, um Vertrauen in Regelmässigkeiten zu erhalten, also Verlässlichkeit zu erleben. Das sind wiederum elementare Voraussetzungen für Regeln.
  • Welche Regeln gelten in meinem Haushalt? Viele Eltern beschweren sich, dass die Kinder nicht gehorchen würden. Allerdings zeigt sich häufig, dass diese Eltern selbst nicht so genau wissen, was wirklich gelten soll. Oder sie stellen Regeln auf, die sie nur wenig konsequent durchsetzen. Regeln und Grenzen haben Kinder nicht einfach von Natur aus, sondern müssen von den Eltern aufgestellt und gelebt werden!
  • Arbeite ich mit Drohungen oder Strafen? Strafen und Drohen sind äusserst heikle Instrumente in der Erziehung, in aller Regel werden sie auch noch derart inkonsequent angewandt, dass sie sich äusserst kontraproduktiv auswirken. Sie sollten deshalb beides dringend überdenken.

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"Ja" und "Nein!"

Die beiden Grundprinzipien der Erziehung können Sie im Prinzip auch ganz einfach auf "Ja" und "Nein!" reduzieren. Allerdings müssen Sie sich der besonderen Schwierigkeit beim Nacherziehen bewusst sein: Sie müssen nun beides gleichzeitig lernen, da die beiden Phasen der Vertrauensbildung und der Willensbildung, die eben nacheinander folgen und dem "Ja" und dem "Nein!" hätten entsprechen sollen, bereits vorüber sind. Statt spontan zu entscheiden, ob Sie etwas zulassen wollen oder nicht, sollten Sie sich deshalb besser schon zum voraus überlegen, in welchen Situationen Sie "Ja" oder "Nein!" sagen. Besprechen Sie zum Beispiel typische Situationen mit Ihrem Partner gewissermassen auf Vorrat und legen Sie sich gemeinsam auf einen Entscheid fest, an den Sie sich dann auch konsequent halten, wenn es so weit ist. Es ist nun besonders wichtig, dass Sie sich als Eltern gegenseitig unterstützen, sich also nicht auch noch sabotieren.

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Einführung von klaren Regeln

Eines der regelmässig grössten Probleme sind mangelnde, oder inkonsequent angewandte Regeln. Auch hier stehen Sie aufgrund der Entwicklung des Kindes wiederum vor einer besonderen Herausforderung: Sie müssen die beiden wichtigsten Werkzeuge für Regeln, nämlich Abmachungen und Vereinbarungen, gleichzeitig erlernen. Der grosse Unterschied zwischen Abmachen und Vereinbaren besteht darin, dass Sie die Regeln in der Phase der Vertrauensbildung einseitig abmachen konnten (beziehungsweise hätten abmachen können), während in der Phase der Willensbildung Regeln mehr und mehr zusammen mit dem Kind vereinbart werden sollten. Nun müssen Sie sich also immer zuerst entscheiden, inwieweit Sie das Kind miteinbeziehen wollen. Auch das sollten Sie sich zum voraus überlegen, ansonsten Sie nur allzu oft "auf dem linken Bein" erwischt werden. Im Zweifel werden Sie zu Beginn wohl eher etwas strenger sein müssen, also selbst entscheiden, was gilt und was nicht. Beginnen Sie mit einfachen, aber klaren Regeln, bei denen Sie sicher sind, dass Sie sie auch durchsetzen können. Einfache Regeln sind zum Beispiel möglich im Bereich:

Muten Sie sich am Anfang nicht zu viel auf auf einmal zu (Sie können das, was Sie möglicherweise in den ersten vier Jahren verpasst haben, nicht einfach in ein paar Tagen nachholen!). Es ist sehr viel wichtiger, dass Sie sowohl gegenüber dem Kind als auch gegen sich selbst (!) darauf pochen, dass die Regeln konsequent eingehalten werden. Dafür sind Sie als Eltern verantwortlich, Sie können also nicht einfach erwarten, dass Kinder von sich aus Regeln befolgen. Für Kinder sind Regeln aber höchstens zum Beginn mühsam, denn sie benötigen sie unbedingt, um Sicherheit und Verlässlichkeit erfahren zu können! Besprechen Sie die Regeln in einem ruhigen Moment am Familientisch (zum Beispiel nach dem Essen), also nicht erst dann, wenn diese zur Anwendung kommen sollen. Wenn es Ihnen zusagt, können Sie zum Beispiel auch das Instrument der Familienkonferenz einführen. Auch bei Regeln müssen Sie unbedingt solidarisch mit Ihrem Partner sein.

Zu Regeln gehören immer auch die Konsequenzen für die Nichteinhaltung. Auch diese müssen Sie zuvor festlegen - und zwar für beide Seiten! Gerade bei Eltern, die sich darüber beklagen, dass ihre Kinder zu wenig gehorchen würden, zeigt sich regelmässig, dass sie es selbst mit ihren eigenen Regeln häufig nicht so genau nehmen!

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Hilfe von Freunden und Nachbarn

Wenn Sie Ihre Probleme in der Erziehung erkannt haben, sehen Sie bestimmt all die Eltern, deren Kinder sich genau so benehmen, wie Sie es sich auch wünschten. Eine sehr hilfreiche Möglichkeit ist denn auch, dass Sie diese Eltern um Rat fragen. Konzentrieren Sie sich auf Eltern, zu denen Sie ein minimales Vertrauen haben und deren Umgang mit Kindern Sie vielleicht schon beobachtet und "für gut befunden" haben. Die allermeisten Eltern geben ihre positiven Erfahrungen sehr gerne weiter. Und es spricht für Sie, wenn Sie den Mut aufbringen, Ihre Freunde oder Nachbarn zu fragen. Selbstverständlich müssen Sie die erhaltenen Ratschläge darauf prüfen, ob Sie auch für Sie stimmen, denn eine gute Erziehung wird immer auch von Ihrem Gespür und Ihrer Überzeugung geprägt.

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Hilfe von Lehrpersonen

Weitere Ansprechpersonen können natürlich auch Fachpersonen zum Beispiel der Tagesbetreuung oder der Schule sein, zumal es ja häufig gerade diese sind, die beim Kind mangelnde Reife feststellen. Verlangen Sie aber möglichst konkrete Vorschläge, was Sie anders machen könnten. Wenn Ihnen bloss zu Abklärungen und Therapien geraten wird, wird das Problem meistens bloss auf das Kind verschoben (und womöglich haben die angefragten Pädagogen sogar noch das gleiche Problem wie Sie selbst).

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Beratung und Therapien

Schliesslich bleibt noch die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu organisieren, zum Beispiel bei der Erziehungs- oder Familienberatung, falls Ihre Gemeinde so etwas oder ähnliches anbietet. Ein solches Angebot hat Vor- und Nachteile gegenüber privater, persönlicher Hilfe. Entscheidend ist aber immer, ob Sie zur jeweiligen Person Vertrauen haben.

Therapien, die auf das Verhalten des Kindes abzielen, sollten hingegen lediglich als letztes Mittel, gewissermassen im Notfall, in Frage kommen, denn die Probleme liegen höchst selten beim Kind. Wenn die Erziehungsarbeit "ausgelagert" wird, wird das Kind notwendigerweise eine Beziehung zum Therapeuten aufbauen, was automatisch auf Kosten der Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind geht!

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Nacherziehung durch andere Menschen und Institutionen

Schule

Leider unterliegen viele Eltern dem Irrtum, dass sie Erziehungsaufgaben einfach an die Schule delegieren könnten. Das ist nicht nur für die Schule problematisch (da diese in erster Linie mit der Vermittlung von Wissen und Können beauftragt ist und nicht mit pädagogischen Aufgaben), sondern auch für das Kind und letztlich auch für die Eltern selbst. Wenn das Kind Glück hat, dass seine Lehrer nebst den angestammten Kompetenzen auch noch pädagogisches Geschick und Kapazität haben, ist die Schule natürlich ein sehr guter Rahmen der Nacherziehung. Die Gefahr ist aber gross, dass die Schule diese Aufgabe schon mangels zeitlicher Kapazitäten ablehnt. Das Kind wird dann zum Störenfried oder umgekehrt zum Duckmäuser und droht zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Wenn sich kein Lehrer findet, der sich ihm annimmt, droht im schlimmsten Fall gar der Ausschluss aus der Schule. Immerhin gibt es Schulen, die auch die soziale Kompetenz der Schüler als explizites Lernziel verfolgen. Dazu gibt es verschiedene Methoden, die nicht nur verhaltensauffälligen Kindern helfen können, sondern auch reiferen, sodass alle profitieren (zum Beispiel die Arbeit mit dem "heissen Stuhl").

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Weitere Autoritätspersonen

Als Elternersatz in Bezug auf die Erziehung kommen verschiedene, weitere Personen in Frage, die aber allesamt und zumindest nicht primär dafür zuständig sind, wie zum Beispiel:

  • Sport-Trainer
  • Leiter von weiteren Freizeitaktivitäten wie Musik, Pfadi und ähnliches
  • Hauswarte

Gerade Mannschaftssportarten bieten hervorragende pädagogische Möglichkeiten, da es regelmässig auf beide Grundprinzipien der Erziehung ankommt, also Vertrauen und Grenzen, insbesondere in Form von Spielregeln. Ermutigen Sie Kinder also unbedingt zu einer Freizeitbeschäftigung mit anderen Kindern. So haben viele Kinder das Glück, dass ihnen einiges von dem gelehrt wird, was ihnen die Eltern nicht geben konnten.

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Polizei

Die Aufgabe der Polizei ist in erster Linie für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Bussen können zwar eine abschreckende Wirkung haben, wenn auch bloss in beschränktem Masse und erwiesenermassen auch nur bei hoher Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden. Doch für die Erziehung von Kindern nutzen Strafen wenig bis gar nichts, ja sie wirken sich meistens sogar kontraproduktiv aus. Davon abgesehen, müssten im Falle einer Straffälligkeit des Kindes beziehungsweise eines Jugendlichen eher die Eltern zur Verantwortung gezogen werden.

Die einzige, wirklich erzieherische Wirkung der polizeilichen Arbeit kann denn auch bloss darin bestehen, dass der Kontakt mit der Polizei Jugendlichen den Anstoss geben kann, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen (womit sie sich dann auch fast gänzlich der elterlichen Obhut entziehen!). Ob das gelingt oder nicht, hängt häufig mehr von Zufälligkeiten ab, da der Polizei entsprechende Instrumente meistens nur beschränkt zur Verfügung stehen (zum Beispiel Gewaltprävention an Schulen).

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Therapien

Schliesslich bleibt Kindern, die weder das Glück hatten, von ihren Eltern genügend erzogen zu werden, noch an andere Menschen gerieten, die etwas zur Nacherziehung hätten beitragen können, psychotherapeutische Massnahmen. Sei es, dass sie schon währen der Kindheit angeordnet werden, sei es, dass das erwachsen gewordene Kind sich selbst zu einer Therapie entschliesst. Sinnigerweise sind Beziehungsprobleme häufig Anlass für Therapien, da sich in Beziehungen Erziehungsmängel besonders eklatant äussern. Paare sind dann regelmässig überrascht, dass ihre Probleme eher wenig mit dem Partner, dafür sehr viel mehr mit der Beziehung zur eigenen Mutter oder dem eigenen Vater in frühester Kindheit zu tun haben.

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Partner

Im Idealfall können Partner in einer Beziehung bei Problemen so weit reflektieren, dass sie die Ursachen der Probleme zunächst bei sich selbst suchen. In aller Regel liegen diese nämlich in der eigenen Kindheit und haben mit dem Partner wenig bis gar nichts zu tun. Wenn diese Erkenntnis hingegen fehlt, kommt es häufig vor, dass der eine meint, er müsse den anderen nacherziehen, indem er ihm sagt, wie er zu sein hätte - und jener antwortet, er müsse ihn halt so nehmen wie er sei. Das wiederum wird sich der andere regelmässig nicht einfach so gefallen lassen (was durchaus vernünftig ist). Wenn das Ganze im Vorwurf gipfelt, der eine sei wie der eigene Vater (oder die andere wie die eigene Mutter), wird immerhin ein an sich richtiger Lösungsansatz angeschnitten. Die Kunst ist dann aber, dass die Partner auf gleicher Ebene miteinander diskutieren können und nicht etwa eine therapeutische Hierarchie entsteht. Wenn das aufgrund der unterschiedlich starker Persönlichkeiten nicht möglich ist, ist einer Paartherapie möglicherweise der vernünftigere Weg.

Als Eltern sollten Sie sich also bewusst sein, dass persönliche Probleme meistens nicht bloss in Ihrer eigenen Kindheit begründet sind, sondern dass auch die Gefahr gross ist, dass Sie diese Ihre eigenen Kindern weitergeben, jedenfalls dann, wenn Sie sich der Problematik nicht bewusst sind. Wenn Sie sich der Problematik bewusst sind, haben Sie hingegen die grosse Chance, sich sowohl mit Ihrer eigene Vergangenheit zu versöhnen als auch die weitere "Vererbung" zu unterbrechen.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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