Selbstvertrauen

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Vertrauen ist die fundmentale Basis jeder Beziehung und das erste Grundrinzip der Erziehung: In den beiden ersten Jahren geht es fast ausschliesslich darum, dass die Eltern lernen, ihrem Kind zu vertrauen. Das Thema ist deshalb aus beiden Richtungen zu betrachten:

  • Das Kind kommt mit vollkommenem Vertrauen in das Leben und insbesondere in seine Eltern zur Welt: Es vertraut darauf, dass ihm alles gegeben wird, was es braucht, das heisst dass seine Grundbedürfnisse immer und vollständig befriedigt werden und es seine Fähigkeiten, die bereits alle in ihm schlummern, entwickeln kann.
  • Die Eltern hingegen müssen zunächst lernen, ihrem Kind und dessen Grundbedürfnissen und Fähigkeiten zu vertrauen.

Das Selbstvertrauen des Kindes wächst genau in dem Masse, in dem es Vertrauen von seinen Eltern erhält.

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Phase der Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Während das Neugeborene vollkommen hilflos zur Welt gekommen ist, ihm also schon gar keine andere Wahl bleibt, als sich der Obhut der Eltern, insbesondere der stillenden Mutter, zu vertrauen, sieht die Situation der Eltern ganz anders aus: Vater und Mutter haben in ihrem Leben schon sehr viele Erfahrungen gemacht, die sie zu Recht auch Misstrauen gelehrt haben. Das neue Leben verdient aber absolutes und bedingungsloses Vertrauen:

  • Vertrauen in den Lebenswillen des Kindes: So hilflos das Neugeborene sein mag, eines hat es bestimmt schon, nämlich seinen Lebenswillen, ansonsten es schon gar nicht geboren wäre! Daran sollten Sie als Eltern auch immer wieder glauben, gerade zu Beginn des Lebens, wenn sich das Kind Ihnen noch kaum mitteilen kann und Sie vielleicht Zweifel haben, ob Sie es zum Beispiel stillen können oder ob es auch einmal allein schlafen kann.
  • Vertrauen in die Grundbedürfnisse des Kindes: In den beiden ersten Jahren, das heisst noch vor der Willensbildung, hat das Kind ausschliesslich Grundbedürfnisse, das heisst Bedürfnisse, die immer und vorrangig befriedigt werden sollten. Wenn das Kinds schreit, ist es also immer höchste Zeit, dass Sie ihm zu essen geben, es halten, trösten, schlafen legen oder ihm sonst geben, wonach es verlangt. Sie brauchen sich in dieser Zeit nie zu fragen, ob es verwöhnt wird, denn das ist in diesem Alter grundsätzlich noch gar nicht möglich. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, zu erkennen um welches Grundbedürfnis es sich handelt. Beachten Sie also möglichst von Anfang an und genau die Mimik und Gestik des Kindes. Je besser es Ihnen gelingt, die Grundbedürfnisse des Kleinkindes zu befriedigen und seine Gefühle wahrzunehmen, desto mehr wird sein Vertrauen in die Eltern bestätigt und desto besser entwickelt sich sein Selbstvertrauen: Das Kind weiss, dass es um seiner selbst willen geliebt wird.
  • Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes: Kinder sind von Geburt aus schon mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die sie für ihr Leben benötigen. Und sie entwickeln ihre Fähigkeiten genau dann, wenn sie diese benötigen. Und zu guter Letzt tun sie dies auch noch aus eigenem Antrieb und ganz von selbst. Sie brauchen dabei weder gefördert noch unterstützt werden. Sie benötigen einzig das Vertrauen ihrer Eltern, dass sie es können beziehungsweise lernen können! Halten Sie sich also möglichst lange zurück, bevor Sie dem Kind helfen. Lassen Sie es immer zuerst selbst versuchen und warten Sie auf ein Zeichen des Kindes oder fragen Sie zumindest vorher, ob Sie ihm helfen sollen. Am besten gewöhnen Sie sich das gleich vom ersten Tag an (auch wenn das Kind dann noch offensichtlich Ihre Hilfe braucht). Sie werden nämlich erstens staunen, wie gross der Wille des Kindes ist, möglichst alles selbst zu machen und sich zweitens darüber freuen können, wie schnell es geht, bis ihm das auch tatsächlich gelingt!

Vertrauen ist die Grundlage jeder Beziehung. Bei der Erziehung speziell ist jedoch, dass erstens eine Hierarchie besteht: Verantwortlich für die Vertrauensbildung sind allein die Eltern. Zweitens kommen Kinder bereits mit einem grenzenlosen Vertrauen zur Welt, während Eltern dieses erst noch lernen müssen (zumal sie ihrerseits als Kind meistens zuwenig Vertrauen erhielten und deshalb auch bloss ein beschränktes Selbstvertrauen haben). Das Selbstvertrauen des Kindes aber entwickelt sich in genau dem Masse, wie seine Eltern ihm vertrauen.

Vertrauen ist schliesslich die Grundlage um später Grenzen setzen zu können. Denn nur wer wirklich "Ja" sagen kann, kann auch "Nein!" sagen. Wenn Sie hingegen bei jedem "Nein!" gleich einen Liebesverlust befürchten, können Sie weder "Nein!" sagen, noch ein "Nein!" akzeptieren. Das ist bei Kindern genau gleich: Das Kind muss zuerst einmal sicher sein, dass es von Ihnen bedingungslos angenommen wird, dass Sie hundertprozentig "Ja" zu ihm sagen, erst danach kann es auch mit einem "Nein!", das heisst mit Grenzen, umgehen.

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Phase der Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, beginnt seinen Willen zu entwickeln, ist von den Eltern nebst dem "Ja" plötzlich auch ein "Nein!" gefordert. Das heisst, dem Willen des Kindes müssen Grenzen gesetzt werden, ansonsten es den Halt und die Eltern irgendwann die Geduld verlieren und sich die Umwelt schliesslich über nervende Kinder aufzuregen beginnt.

Entscheidend ist dabei, dass Sie als Eltern das Vertrauen haben, dass das Kind Ihr "Nein!" nicht nur dringend braucht, sondern auch bestens damit umgehen kann. So wie Sie Vertrauen hatten, dass das Kind von selbst zu reden und zu laufen beginnt, so müssen Sie nun auch vertrauen, dass es lernen kann auch seine Umwelt zu respektieren. Allerdings wird es das in aller Regel nicht von sich aus tun, sondern Sie müssen ihm sagen, wie weit es gehen darf und wo fertig ist. Wo Sie diese Grenze setzen ist weniger wichtig, das heisst ergibt sich aus Ihrem eigenen Gutdünken. Wichtig ist einzig, dass Sie eine setzen und diese auch konsequent "verteidigen". Dabei werden Sie einige "Kämpfe" durchstehen müssen. Und wenn das Kind trotzt, wird Ihre Beziehung zum Kind darauf geprüft, ob das Vertrauensverhältnis genügend tragfähig ist. Denn wenn das Vertrauen fehlt, werden Sie sofort Angst vor Liebesverlust bekommen. Das Kind muss sich aber auch bei einem "Nein!" noch geliebt fühlen. Das heisst zum Beispiel, dass Sie bei ihm bleiben müssen, wenn es trotzt - und es nicht ausgerechnet in diesem wichtigen Moment ignorieren oder tadeln dürfen. Solche Situationen müssen Sie als Eltern ausharren können, da gerade dann das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind geprüft wird. Sie werden staunen, wie sehr die Beziehung durch dieses Ausharren gestärkt wird!

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Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Wenn erst einmal ein genügendes Vertrauensverhältnis gelegt ist und Sie dem Kind zudem gelehrt haben, Grenzen zu respektieren, ist es schon im Alter von etwa vier Jahren so reif, dass es sich gewissermassen von alleine weiterentwickelt. Das heisst als Eltern können Sie sich auf eine Art Begleitung beschränken und sich darüber freuen, wie das Kind je länger desto mehr Selbstvertrauen gewinnt und eine freien Willen entwickelt.

Reif ist das Kind insbesondere dann, wenn Sie mit ihm Vereinbarungen abmachen können und sich darauf verlassen können, dass dass Kind diese einhält. Vereinbarungen sind mehr als (von Ihnen einseitig aufgestellte) Abmachungen, denn sie beruhen auf einem partnerschaftlichen Aushandeln. Sie müssen also vom Kind fordern, dass es sich auch überlegt, wie lange es zum Beispiel alleine auf dem Spielplatz sein darf und sich dann auf eine Zeit einigen. Aufgrund Ihrer hierarchischen Stellung in der Erziehung bleibt die Verantwortung aber immer noch bei Ihnen, das heisst es liegt an Ihnen sicherzustellen, dass das Kind auch wirklich zugestimmt hat und Sie müssen die Einhaltung kontrollieren (und bei Nichteinhaltung allfällige Konsequenzen festlegen).

Mit solchen Vereinbarungen sollten Sie so früh als möglich beginnen. Denn je älter das Kind wird, desto weniger können Sie es kontrollieren und desto mehr müssen Sie ihm vertrauen können. Schon vom Moment an, da das Kind alleine in die (Vor)Schule geht, kann es auch selbst entscheiden, ob es ausserhalb Ihrer Sichtweite zum Beispiel einen anderen als den vereinbarten Weg geht, den Strassenverkehr genügend beachtet oder sich mit einem Fremden einlässt. Vertrauen ist deshalb auch eine Frage der Sicherheit des Kindes, ähnlich wie zum Beispiel bei zwei Trapezkünstlern, die sich darauf verlassen müssen, dass sie sich gegenseitig auffangen und sichern.

Ein Zeichen des Vertrauens ist auch, wenn das Kind die Eltern von sich aus um Rat fragt. Voraussetzung dafür ist, dass das Kind die Hilfe der Eltern in den ersten vier Jahren positiv erfahren hat, das heisst insbesondere, dass ihm diese nicht aufgedrängt wurde, ansonsten es regelmässig mit einem Abwehrreflex reagieren wird. Halten Sie sich also mit Helfen und Ratschlägen zurück und lassen Sie das Kind möglichst alles selbst ausprobieren.

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Erwachsenwerden (etwa 16 bis 25 Jahre)

Irgendwann sollte dann das Selbstvertrauen des Jugendlichen so weit gereift sein, dass er dem Rahmen der Familie "entfliehen" und in der Gesellschaft bestehen kann. Dazu benötigt der junge Erwachsene die Gewissheit ob seiner eigenen Fähigkeiten und das Vertrauen, dass die Gesellschaft diese auch braucht und schätzt. Dieses Wissen um die eigenen Fähigkeiten ist gerade für die Berufswahl entscheidend: Je besser jemand seine eigenen Fähigkeiten kennt, desto erfolgreicher wird er sein.

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Ziel der Erziehung

Das Ziel der Erziehung sollte Selbständigkeit und Beziehungsfähigkeit sein. Dazu braucht es ein gesundes Selbstvertrauen und einen freien Willen. Die Basis dazu legen Sie als Eltern in den ersten vier Jahren des Kindes!

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Weiterführende Themen

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