
Die Angst gegenüber Fremden ist eine natürliche Angst des Kleinkindes und ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Ursache
Im Moment der Geburt ist das Kind gewissermassen noch eins mit sich und seiner Umwelt. Es wird mit einem umfassenden Vertrauen in das Leben und in die Welt überhaupt geboren. Erst nach und nach wird ihm die besondere Rolle seiner Eltern, beziehungsweise seiner wichtigsten Betreuungspersonen, bewusst. Von diesem Moment an beginnt es auch zwischen „Ich“ und „Du“ zu unterscheiden. Beginnt es dann auch noch zu krabbeln, erweitert es nicht nur seinen Aktionsradius, sondern es besteht auch die durchaus reelle Gefahr, dass es von Fremden aufgenommen wird (ob in guter oder böser Absicht).
Das Kind reagiert deshalb häufig mit Angst, wenn ihm fremde Gesichter, Stimmen oder Gerüche begegnen. Das ist eine natürliche und wichtige Schutzfunktion. Die meisten Kinder verlieren diese Angst aber sehr schnell, wenn sie die wiederholte Erfahrung machen, dass ihnen auch fremde, oder zumindest weniger vertraute, Menschen wohlgesinnt sind.
Angemessene Reaktion
Die Angst vor Fremden ist ein Gefühl wie jedes andere der vier Grundgefühle (Freue, Angst, Trauer und Wut): Elementar und nützlich! Nehmen Sie die Reaktion Ihres Kindes also ernst und geben Sie ihm, was es braucht. In der Regel braucht das Kind Ihre körperliche Nähe und will gehalten werden: Halten Sie es so lange, aber auch nur so lange, wie es danach verlangt. Es ist entscheidend, dass das Kind selbst bestimmen kann, wie viel Nähe es braucht.
Kontraproduktive Reaktionen
Eltern, die Fremdeln nicht als natürlichen und wichtigen Entwicklungsschritt verstehen, kommen gerne in Versuchung, auf eine kontraproduktive Art zu reagieren:
- Auslachen
- Ironie (zu unterscheiden von Humor!)
- Ignorieren
Eine mögliche Folge solchen Verhaltens ist Schüchternheit: Das Kind wird im sozialen Kontakt gehemmt, da es nicht erfahren durfte, seinen eigenen Gefühlen zu vertrauen.



