
Unter Resilienz wird im Allgemeinen die (psychische) Widerstandsfähigkeit des Menschen verstanden. Als Eltern können Sie durch Ihr Verhalten während den ersten Lebensjahren wesentlich dazu beitragen.
Erhalt und Förderung der Resilienz
Kinder sind schon von Geburt an äussert widerstandsfähig: So sehr sie auf die Fürsorge ihrer Eltern angewiesen sind, so erstaunlich ist schon allein die Tatsache, dass sie das Trauma der Geburt in der Regel unbeschadet überleben. Das ist purer Lebenswille! Es liegt an den Eltern während den ersten Jahren, diesen zu erhalten:
Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)
Während der Vertrauensbildung geht es für Sie als Eltern vor allem darum, dass Sie Grundbedürfnisse des Kindes möglichst immer und sofort befriedigen. Wenn der Säugling zum Beispiel immer gestillt wird, wenn er danach verlangt, wird sein natürliches Vertrauen in das Leben bestätigt und gestärkt. Nehmen Sie Ihr Kind in die Arme und tragen Sie es, wenn es danach verlangt. Das Kind braucht in dieser Zeit vor allem den Glauben daran, dass „es gut kommt“. Und wenn es einmal nicht gut kommt, weil es sich weh getan hat, braucht es einzig Trost, sofort und bedingungslos. Widerstand hingegen braucht es in dieser Zeit noch nicht. Als Eltern legen Sie in dieser Phase das Fundament für das Urvertrauen in das Leben – und Widerstandsfähigkeit beginnt genau damit, nämlich dem Glauben daran, dass es das Leben gut mit einem meint.
Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)
Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, entsteht in ihm häufig von einem Tag auf den anderen eine ungeheuerliche Kraft, von der es häufig selbst übermannt wird. Manchmal werden Sie den Eindruck haben, Ihr Kind sei geradezu grössenwahnsinnig geworden. Das ist ein gutes Zeichen seiner gesunden Entwicklung. Allerdings braucht es nun dringend Herausforderungen und auch Grenzen. Denn der Wille des Kindes darf, ja muss auch auf Widerstand stossen. Nur so kann diese grosse und wichtige Kraft trainiert und erhalten werden. Als Eltern sind Sie dabei eine Art Sparringspartner. Sie müssen sich deshalb bewusst sein, dass das Kind Ihnen nicht etwa böse ist, sondern dass es „bloss kämpfen“ will. Das ist auch ganz körperlich gemeint. Gehen Sie mit ihm in den Wald, lassen Sie es seine Kraft an schweren Baumstämmen testen oder fordern Sie es, Ihnen beim Räumen im Haus zu helfen.
Beeinträchtigung der Resilienz
Die Widerstandsfähigkeit des Kindes kann leider sehr schnell verloren gehen, wenn sein Vertrauen enttäuscht wird oder wenn es auf zu wenig Widerstand trifft. Ein ganz wichtiges Thema ist dabei das positive oder eben negative Verwöhnen, das von Ihnen sehr viel Aufmerksamkeit erfordert:
Positives Verwöhnen
Während der Phase der Vertrauensbildung dürfen, ja sollen Sie dem Kind möglichst immer und sofort helfen, wenn es danach verlangt. Ihr Kind vertraut Ihnen, dass Sie alle seine Sorgen wahrnehmen und lindern können. Wenn Sie hingegen einfach schreien lassen oder ihm den Trost verwehren, wird es irgendwann resignieren.
Negatives Verwöhnen
Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, wird es sich plötzlich nicht mehr bloss „mit dem Nötigen zufriedengeben“, seine Wünsche wachsen auf ein Mal ins Unermessliche. Das ist zwar völlig normal und gesund, doch müssen Sie nun eine Art Gegenleistung dafür fordern, um seinen rohen Willen gewissermassen zu kultivieren. An diesem Widerstand kann es wachsen. Erhält es hingegen einfach, was es verlangt, wird sein Wille irgendwann geschwächt und es kann keine Frustrationstoleranz aufbauen.


