Kinder müssen ernst genommen werden, um das Vertrauen in ihre Eltern und in das Leben überhaupt zu bestätigen. Werden sie immer wieder wegen Missgeschicken oder gar wegen allfälliger Makel verspottet, können sie nicht genügend Selbstvertrauen entwickeln. Spott kann offensichtlich, aber auch sehr subtil sein, fatal ist er für das Kind immer.

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Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Während der Phase der Vertrauensbildung legen Sie die Grundlage für Ihre Beziehung zum Kind. Es ist deshalb besonders wichtig, dass Sie es ernst nehmen. Das gilt vor allem für seine Gefühle und seine Fähigkeiten. Spöttische Bemerkungen in diesem Alter, auch wenn sie "bloss ironisch" gemeint sind, verwirren das Kind im besten Fall, im schlimmsten Fall hindern sie es, genügend Selbstvertrauen aufzubauen.

Der Spott der Eltern über ihre Kinder ist in der Regel sehr subtil und meistens auch ohne jede schlechte Absicht - und trotzdem sehr heikel. Bemerkungen wie zum Beispiel „Du verschüttest ja eh immer alles“ sind schnell und unbedarft gesagt, doch wirken sie ausgesprochen kontraproduktiv, denn das Kind glaubt Ihnen zunächst einmal ja alles und wird so geradezu animiert, den Tee zu verschütten. Sagen Sie dem Kind besser, wie es das Glas aufrecht halten soll und freuen Sie sich darüber, wie gut es das schon kann. Dann wird es sich umso mehr Mühe geben und schon bald sehr sicher und voller Freude aus dem Glas trinken. Natürlich müssen Sie anfangs auch mit verschüttetem Tee auf dem Boden umgehen können und dabei eine gewisse Gelassenheit lernen. Fordern Sie in solchen Fällen das Kind schon möglichst früh dazu auf, Ihnen beim Aufwischen zu helfen. Wenn Ihnen das Kind mithelfen darf, spürt es erstens eine Verbindung zu Ihnen und lernt zweitens Verantwortung zu übernehmen.

Besonders fatal ist es, wenn das Kind in einer Situation verspottet wird, in der es eigentlich Trost braucht. Häufig geschieht das, wenn das Kind von den Eltern gewarnt wurde, dann trotzdem ein Risiko eingeht und sich in der Folge weh tut. Trost ist aber ein Grundbedürfnis, den Sie Ihrem Kind immer und bedingungslos geben müssen, auch wenn Sie der Meinung sind, es sei nun wirklich selbst schuld. Halten Sie sich also auch in solchen Fällen zurück mit Erklärungen, Zurechtweisungen oder eben gar Spott, bevor sich das Kind bei Ihnen nicht ganz ausweinen konnte. Erst danach können Sie es zum Bespeil fragen, ob es wisse, weshalb es sich weh getan habe. In aller Regel ist aber auch das kaum mehr nötig, da das Kind den Zusammenhang ja eben gerade selbst erfahren hat. Lernen kann für Kinder immer schmerzvoll sein, doch wenn sie danach die Güte ihrer Eltern in Form von wirklichem Trost spüren, ist alles bloss noch halb so schlimm! Mit spöttischen Bemerkungen wie zum Beispiel "Selbst schuld, ich habe Dich ja gewarnt!" hingegen distanzieren Sie sich vom Kind, sodass es sich von Ihnen nicht mehr angenommen fühlt und entsprechend sein Selbstvertrauen beeinträchtigt wird.

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, wird es unweigerlich zu Zusammenstössen mit den Absichten der Eltern kommen. Beginnt das Kind in der Folge zu toben, müssen Sie lernen, angemessen auf das Toben zu reagieren. Reagieren Sie stattdessen mit spöttischen Bemerkungen wie "Sag mir einfach, wann Du wieder vernünftig bist!", entfernen Sie sich innerlich vom Kind, statt mit ihm in Kontakt zu bleiben. Das Kind muss aber Ihren Widerstand spüren können und braucht danach die Versöhnung.

Wird das Kind hingegen verspottet, bloss weil es seinen Willen braucht, kann das sehr fatale Folgen haben wie Jähzorn, Hass oder Rachegelüste, je nach Persönlichkeit des Kindes aber auch resignatives Verhalten. Denn der Wille braucht Herausforderungen und Widerstand, ansonsten er verkümmert.

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Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Mit dem Eintritt in die (Vor)Schule wird das Kind dann wohl oder übel auch mit gelegentlichen Spötteleien von Kameraden umgehen müssen. Je gesünder das Selbstvertrauen der Kinder, desto weniger neigen sie dazu, Kameraden wegen irgendwelcher, tatsächlichen oder vermeintlichen, Makel zu verspotten. Ganz vermieden werden kann es jedoch nicht, gehört es doch zur Sozialisation, seinen Platz in der Gruppe zu finden und zu behaupten. In dieser Art Konkurrenzkampf kann dann schon mal das Motto "Der Zweck heiligt die Mittel" gelten. Erklären Sie Ihrem Kind dann, dass Kinder, die spotten, das nicht etwa aus einer vermeintlichen Position der Stärke tun, sondern weil sie zum Beispiel selbst glauben, dass ihnen etwas fehlen würde oder sie eben schon von den eigenen Eltern verspottet wurden. Seien Sie aber vorsichtig, dass Sie nicht zu sehr in die Metaebene abgleiten und erklären sie die Zusammenhänge mit einfachen Worten.

Im übrigen liegt es natürlich in erster Linie an den Lehrpersonen eine allfällige Ausgrenzung von einzelnen Schülern in der Klasse anzusprechen. Wenn Sie spüren, dass Ihr Kind betroffen ist und darunter zu leiden beginnt, sollen Sie natürlich in der Schule vorstellig werden.

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Übergeordnete Prinzipien

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Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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