Sicher gibt es mutigere und scheuere Kinder, aber schüchtern kommt kein Kind zur Welt! Kinder haben gewisse Ängste, insbesondere gegenüber Unbekanntem und fremden Personen. Das ist selbstverständlich sehr nützlich und sollte von den Eltern respektiert werden. Denn wenn Sie in solchen Fällen das Kind auslachen oder gar mit Ironie reagieren, wird das Kind noch mehr verunsichert. Es fühlt sich in seiner Angst von Ihnen nicht mehr angenommen und reagiert mit Schüchternheit.

Nehmen Sie also die Ängste der Kinder ernst und beurteilen Sie diese nicht etwa nach ihrer "Berechtigung". „Du musst keine Angst haben!“ ist eine wenig hilfreiche Anweisung. Denn Angst kann der Mensch, und erst recht das Kind, nicht etwa steuern. Angst ist einfach da und hat eine wichtige Funktion: Es ist eine Warnung, eine Mahnung zur Vorsicht. Wenn das Kind also Angst vor dem Hund hat, macht das Sinn (denn die Angst schützt das Kind vor allzu viel Nähe, die der Hund ja als Angriff interpretieren könnte).

Schüchternheit ist also ein Ersatzgefühl, das heisst dahinter steckt die Erfahrung des Kindes, dass seine Ängste von den Eltern nicht ernst genommen wurden. Darauf sollten Sie unbedingt achten, insbesondere in den beiden ersten, entscheidenden Phasen der Erziehung. Denn nur wenn Sie den Ängsten des Kindes wirklich vertrauen, gewinnt das Kind entsprechendes Selbstvertrauen und damit den Mut mit seinen Mitmenschen in Beziehung zu treten. Den Ängsten des Kindes vertrauen heisst zunächst lediglich, dass Sie überhaupt akzeptieren, dass das Kind Angst hat (Sie können es zur Bestätigung auch fragen: "Hast Du Angst?"). In aller Regel genügt das auch schon, da Kinder keine Erklärungen dafür benötigen: Es ist einfach so!

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