Fehlt dem Kind etwas, braucht es die Gewissheit, dass Sie ihm helfen können. Je ruhiger Sie dabei sind, desto leichter kann es Ihnen vertrauen, dass Sie es auch tatsächlich schaffen ihm zu helfen. Ruhe ist denn eine der wichtigsten Erziehungskompetenzen, während Aufregung oder gar Hektik dem Kind sofort Gefahr signalisieren, sodass es sich zu ängstigen beginnt.

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Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Während der Phase der Vertrauensbildung haben Kinder ausschliesslich Grundbedürfnisse, die immer und vor allem sofort befriedigt werden wollen. Geschieht das nicht unmittelbar, beginnt das Kind ziemlich schnell zu schreien. Dann ist umgekehrt die Ruhe der Eltern gefordert, ansonsten schnell ein Teufelskreis entsteht. Falls Sie sich vom Schreien gestresst fühlen, sollten Sie deshalb jeweils kurz durchatmen und sich vergegenwärtigen, dass das Kind in erster Linie Ihre Ruhe und Nähe braucht. Ein hungriges Kind ist zwar anfangs noch kaum fähig, einfach still zu warten, doch können Sie es immerhin trösten, indem Sie es in die Arme nehmen und ruhig bleiben. Damit zeigen Sie ihm, dass Sie in der Lage sind, sein Bedürfnis zu stillen. Wenn Sie es hingegen zum Beispiel anschreien, ob es sich nicht etwas gedulden könne, entsteht schnell ein Teufelskreis, denn ein Kleinkind kann noch gar nicht warten, es wäre damit überfordert. Und wenn Sie schreien, signalisieren Sie ihm bloss, dass Sie selbst auch in Schwierigkeiten sind, ihm also womöglich gar nicht helfen können. Kleinkinder aber brauchen die Gewissheit, dass ihnen immer und möglichst sofort geholfen wird, das bestätigt ihr Vertrauen in das Leben, sodass sie entsprechendes Selbstvertrauen entwickeln können.

So wie sich die Ruhe der Eltern von alleine auf das Kind überträgt, geschieht es umgekehrt aber auch mit Aufregung oder Hektik. Denn damit wird dem Kind Gefahr signalisiert, vor der es sich ängstigt. Wenn zum Beispiel beim Essen eine Wespe herumschwirrt und Sie panisch zu wedeln beginnen und dazu noch Warnungen aussprechen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich das Kind zu ängstigen und zu schreien beginnt.

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, wird es Ihnen vermehrt und häufig völlig aus dem Nichts heraus Widerstand leisten oder gar zu toben beginnen. Dann müssen Sie lernen angemessen zu reagieren. Das bedeutet insbesondere ruhig zu bleiben und sich entscheiden, ob Sie dem Willen des Kindes nachgeben wollen oder bei Ihrer Haltung bleiben wollen. Wenn Sie hingegen einfach im gleichen Ton zurück schreien, entsteht ein Teufelskreis, sodass alles noch viel schwieriger wird. Ruhig bleiben darf in solchen Situationen aber nicht etwa mit Toleranz oder Anstand verwechselt werden, Sie müssen vielmehr konsequent bleiben, was durchaus eine gewisse Härte bedingen kann!

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Ruhe und Zeit

Ruhig sein bedingt auch Zeit haben. Wenn Sie mit dem Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo erscheinen müssen, sollten Sie genügend Zeit einplanen, ansonsten Sie kaum mehr ruhig bleiben können, wenn das Kind zum Beispiel plötzlich noch zur Toilette muss und Sie sich dadurch verspäten. Planen Sie deshalb mit Kindern immer genügend Reservezeit ein oder nehmen Sie bei Ihren Abmachungen in Kauf, dass Sie nicht mehr so punktgenau erscheinen können, wie Sie es bisher gewohnt waren. Bedenken Sie, dass Kinder in den beiden ersten Phasen der Erziehung voll und ganz im Hier und Jetzt leben, und sich deshalb noch kaum mit der Zukunft beschäftigen. Sie können deshalb weder planen noch sich eine Vorstellung darüber machen, was geschehen könnte, wenn sie etwas versäumen.

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Ruhe und Gelassenheit

Die nächsthöhere Stufe der Ruhe ist Gelassenheit. Das heisst Sie bleiben nicht bloss ruhig, sondern Sie vertrauen darüber hinaus dem Lauf des Lebens (oder wenn Ihnen die Vorstellung näher ist: Sie können das Schicksal annehmen). Gerade Kinder können Ihnen diese Fähigkeit lehren. Erziehung bedeutet denn auch von Anfang an loszulassen, denn Kinder lernen mit jedem Tag etwas Neues auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Das heisst, dass Sie mehr und mehr Verantwortung abgeben können und müssen, im Vertrauen darauf, dass das Kind diese übernehmen kann.

Lassen Sie deshalb das Kind möglichst alles selbst erfahren. Lassen Sie das Kind zum Beispiel ruhig immer so lange alleine spielen, wie es nicht nach Ihnen verlangt. Auch wenn Sie der Meinung sind, es brauche Ihre Hilfe, weil ihm etwas nicht gelingt: warten Sie, bis es diese von Ihnen verlangt! Ähnliches gilt auch für Bagatellgefahren, also Gefahren ohne wirkliche Verletzungsgefahr: Sagen Sie dem krabbelnden Kind zum Beispiel, dass es vorsichtig sein soll, wenn es am Stuhl zerrt. Bleiben Sie aber ruhig, statt sich gleich auf den Stuhl zu stürzen um diesen festzuhalten. Kinder müssen unbedingt erfahren dürfen, dass die elterlichen Warnungen berechtigt sind, ansonsten sie es gar nicht glauben können! Und schliesslich brauchen sie, wenn sie sich dann trotzdem weht tun, Ihren bedingungslosen Trost, also ohne den Vorwurf, dass sie nicht auf Sie gehorcht hätten.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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