Bedeutung für die Erziehung

Kinder helfen grundsätzlich von Natur aus gerne mit, geht es doch beim Helfen vor allem um gegenseitiges Vertrauen. Wie sehr ein Kind später bereit ist, zum Beispiel im Haushalt mitzuhelfen, hängt deshalb vor allem davon ab, wie sehr es den Eltern gelungen ist, während den beiden ersten Phasen der Erziehung Vertrauen zu schaffen.

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Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Von Geburt aus ist das Kind wortwörtlich auf Gedeih und Verderb auf die Hilfe seiner Eltern angewiesen. Während der Phase der Vertrauensbildung ist es fundamental, dass Sie die Grundbedürfnisse des Kindes möglichst immer, sofort und bedingungslos befriedigen. Gleichzeitig gilt es den Fähigkeiten des Kindes zu vertrauen. Das bedeutet, dass Sie dem Kind grundsätzlich nur dann helfen, wenn es die Hilfe auch verlangt, sei es durch seine Mimik oder Gestik, sei es durch Schreien. Als Eltern haben Sie eine Art Bereitschaftsdienst, Sie müssen also immer bereit sein, aber nur dann aktiv werden, wenn es tatsächlich nötig ist. Lernen Sie sich zurückzuhalten, bevor Sie dem Kind zum Beispiel helfen den Schnuller zu ergreifen: vielleicht schafft es das ja schon selbst. Wenn Sie dem Kind zu früh und zu oft helfen oder bei seinen noch ungelenken Bewegungen dauernd nachhelfen, wird es Hilfe nicht als vertrauensförderndes Verhalten erleben und im besten Fall dagegen protestieren, im schlimmsten Fall resignieren.

Sobald das Kind gelernt hat, seine Bewegungen einigermassen zu koordinieren, will es immer häufiger das tun, was Sie selbst gerade am machen und werken sind, am liebsten natürlich in der Küche. Denn Kinder lernen unter anderem durch Nachahmen, nehmen ihre Eltern also zum Vorbild. Geben Sie deshalb Ihrem Kind möglichst bald Gelegenheiten, Ihnen zu "helfen". Auch wenn Ihnen diese Art der Hilfe anfangs natürlich noch eher ein Hindernis ist, sollten Sie den Moment unbedingt nutzen. Gerade in der Küche gibt es für ein Kind immer irgendetwas etwas zu tun, auch wenn es bloss darum geht, Geschirr zu spülen, beziehungsweise mit dem Wasser zu spielen. Wenn Sie das Kind jetzt in Ihren Alltag miteinbeziehen, legen Sie entscheidende Grundlage dafür, dass Ihr Kind auch später noch gerne mithilft. Wird es hingegen fortgeschickt, weil es Ihnen hinderlich scheint oder Sie zum Beispiel fürchten, dass der Salatteller zu wenig schön wird, wenn es beim Garnieren mithilft, wird es sich zu wenig angenommen fühlen. Ein bisschen Toleranz und Geduld in dieser Phase wird sich später hundertfach auszahlen!

Helfen kann das Kind auch, wenn Sie klare Regeln abmachen, zum Beispiel wenn es darum geht, die Schuhe zu verräumen oder ein Ritual vor dem Einschlafen einzuhalten. Kinder lieben und brauchen solche Regeln. Und wenn Sie einmal etwas vergessen sollten, werden Sie staunen, dass Ihr Kind Sie sofort darf aufmerksam machen wird. Übertragen Sie ihm auch schon eine gewisse Verantwortung, indem Sie es zum Beispiel jeweils die Zahnbürste holen lassen und später auch noch die Zahnpasta selbst auftragen lassen. Es sind gerade all diese kleinen Dinge, bei denen das Kind selbstverständlich mithelfen kann und die es später auch die im Haushalt mithelfen lassen.

Vertrauen ist ist die entscheidende Grundlage für Hilfe jeder Art. Während das Kind das Vertrauen in seine Eltern bereits von Geburt an mitbringt, müssen Eltern zuerst noch lernen, ihrem Kind, insbesondere seinen Grundbedürfnissen und Fähigkeiten, zu vertrauen. Es liegt an Ihnen, und hängt nicht etwa von der Persönlichkeit des Kindes ab, ob es Ihnen später gerne im Haushalt hilft oder ob Sie dauernd Forderungen aufstellen müssen!

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Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt, seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, strebt es noch viel stärker nach Selbständigkeit. Wird ihm unverlangt geholfen, kann es durchaus auch mit grosser Wut reagieren. Das ist ein gutes Zeichen seiner gesunden Entwicklung! Sie müssen deshalb allenfalls noch mehr lernen, das Kind zuerst zu fragen, ob es wirklich Hilfe will. Zudem braucht es nun auch Herausforderungen. Fragen Sie es deshalb von sich aus, ob es Ihnen zum Beispiel beim Einkauf helfen könne, es wird sich bestimmt Mühe geben und sich darüber freuen, dass es seine Kraft einsetzen darf. So kann Hilfe mehr und mehr einen partnerschaftlichen Charakter annehmen.

In diesem Alter dienen auch klare Regeln für das Zusammenleben. Kinder müssen eindeutig wissen, was gilt und was nicht. So können Sie mit dem Kind zum Beispiel vereinbaren, wo es in der Küche was mithelfen darf und dort Grenzen setzen, wo es gefährlich wird. Bleiben Sie aber immer dort grosszügig, wo es bloss um Bagatellen oder Schönheitsfehler geht, wenn dem Kind irgendein Missgeschick geschieht. So belassen Sie ihm die Freude, Ihnen zu helfen. Kinder sind schliesslich von Natur aus äusserst kooperativ, gerade weil ihnen bewusst ist, dass sie anfangs völlig von ihren Eltern abhängig sind. Es ist Ihrem Kind schon allein deshalb daran gelegen, dass es Ihnen gut geht und es wird Ihnen gerne helfen, damit das so bleibt!

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Sozialisation bis Pubertät (etwa 4 bis 16 Jahre)

Mit der Sozialisation weitet das Kind seine Interessen schnell auf Gebiete ausserhalb der Familie aus und das natürliche Interesse an Ihrem Haushalt schwindet mehr und mehr. Es ist deshalb entscheidend, dass Sie es zuvor schon geschafft haben, ihm die Freude am Mithelfen zu lassen. Wenn Sie erst jetzt auf die Idee kommen, dass Ihre Kinder auch etwas beisteuern sollten, werden Sie es ziemlich schwer haben, zumal wenn Sie auch noch der Meinung sind, dass sich die Kinder doch endlich von sich aus engagieren sollen. Der Ämtchenplan, der vor allem bei mehreren Geschwistern sinnvoll sein kann, ist dann möglicherweise nicht mehr so einfach umzusetzen.

Eine Herausforderung kann auch sein, dass der allgemeine Überfluss, wie er in westlichen Zivilisationen häufig vorherrscht, eine eigentliche Mithilfe für den täglichen Lebensbedarf gar nicht mehr nötig macht. Die Mithilfe im elterlichen Betrieb, wie sie früher vor allem in landwirtschaftlich geprägten Gesellschaften noch üblich war, würde heute wohl eher als (verbotene) Kinderarbeit betrachtet. Immerhin bleibt dann noch das Mittel der "künstlichen Verknappung", indem Sie zum Beispiel die Höhe des Taschengelds weniger von Ihren finanziellen Möglichkeiten als mehr von der Mithilfe im Haushalt abhängig machen.

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Mithilfe und Belohnungen

Beim Mithelfen geht es also vor allem um das Thema des gegenseitigen Vertrauens: Kann sich das Kind darauf verlassen, dass ihm immer dann und nur dann geholfen wird, wenn es Hilfe braucht? Und vertrauen Sie dem Kind, dass es Hilfe von sich aus verlangt, wenn es diese braucht? Wenn Sie das in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung erreicht haben, stellt sich die Frage nach einer Belohnung zunächst kaum, denn das Kind freut sich von Natur aus, wenn es Ihnen helfen darf und tut dies freiwillig, also ohne Erwartung speziell belohnt zu werden (abgesehen natürlich von einem "Dankeschön"). Kinder müssen denn auch grundsätzlich nicht belohnt werden, bloss weil Sie ihnen geholfen haben. Irgendwann wird das Thema aber auftauchen, sei es, weil es das Kind andernorts erlebt hat, sei es, dass es von sich aus beginnt Forderungen zu stellen. Beides ist völlig in Ordnung, zumal es ja zum Beispiel erfährt, dass Sie für Ihre Erwerbsarbeit auch entlöhnt werden. Ratsam ist aber, dass Sie erstens nicht von sich aus beziehungsweise zu früh damit beginnen und zweitens die Belohnung einigermassen angemessen ist, ansonsten Sie damit entsprechende Begehrlichkeiten geradezu provozieren. Achten Sie dabei auf Ihr Gespür, denn es geht weniger um zahlenmässige Fragen als mehr um Anerkennung. Besonders vorsichtig sollten Sie mit Süssigkeiten sein, haben diese doch in den ersten Jahren eine mit Drogen durchaus vergleichbare Wirkung!

Kinder scheuen von Natur aus keinerlei Aufwand, um sich zu entwickeln und ihre Energie scheint schier endlos zu sein. Von Natur aus helfen sie denn auch liebend gerne und freiwillig mit. Einander helfen empfinden Kinder als ein Zeichen des Vertrauens. Zur Bequemlichkeit müssen sie schon erzogen werden!

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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