Das Leben von Kindern ist zumindest in den ersten Jahren voller echter und vermeintlicher Missgeschicke. Allerdings handelt es sich dabei aus der Sicht des Kindes lediglich um Erfahrungen, die ganz selbstverständlich zum Lernen dazugehören. Entscheidend ist deshalb, wie die Eltern mit den kleineren und grösseren "Unfällen" umgehen.

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Förderliche Reaktionen

Kinder lernen von selbst und wollen demnach auch die Folgen davon für sich beanspruchen. Und da für Kinder sowohl Erfolge als auch Misserfolge zunächst einmal schlicht Erfahrungen sind, können sie mit ihren unvermeidlichen Missgeschicken bestens umgehen, während Eltern häufig mehr Mühe damit haben. Als Eltern Sie sollten deshalb lernen, dem Kind nicht nur seine Erfolge zu lassen, sondern es auch möglichst früh die Verantwortung für sein Tun und Lassen tragen zu lassen. Verantwortung übergeben ist aber nicht etwa mit Strafen zu verwechseln.

Toleranz

Von Eltern wird im Umgang mit Kindern eine gewisse Toleranz gefordert: Der über den Tellerrand gefallene Brei kann zum Bespiel auch einmal auf dem Teppich landen und sollte deswegen nicht gleich Anlass sein, einen neuen anzuschaffen. Sie sollten also einerseits lernen, damit umgehen zu können und andererseits sich überlegen, wie Sie die Folgen von Missgeschicken in Grenzen halten können, indem Sie Ihre Wohnung entsprechend einrichten. Tolerieren bedeutet aber nicht etwa, dass Sie einfach alles bis in alle Ewigkeit hinnehmen. Sie dürfen dem Kind von Anfang an zeigen, dass da etwas daneben ging und was wo hingehört. So kann das Kind lernen, in welche Richtung es sich anstrengen soll.

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Ermuntern

In der Phase der Vertrauensbildung braucht das Kind sehr viel Bestätigung und Aufmerksamkeit. Ermuntern Sie es zum Beispiel, wenn ihm der Brei vom Löffel heruntergefallen ist, es nochmals zu versuchen und helfen Sie ihm erst, wenn es von sich aus nach Ihrer Hilfe verlangt. Das stärkt sein Selbstvertrauen. Lassen Sie das Kind aber möglichst immer selbst entscheiden, was es sich zutrauen mag. Es geht nicht darum, ob das Kind viel oder wenig kann, sondern dass es selbst bestimmen darf, wann es was lernen will. Das erhöht seine Frustrationstoleranz. Es wird später, wenn es in die Schule geht, noch lange genug nach Lehrplänen lernen müssen!

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Zumuten

In der Phase der Willensbildung braucht das Kind dann auch vermehrt Herausforderungen. Sobald es zum Beispiel schon selbständig vom Stuhl auf den Boden herabsteigen kann, können Sie ihm auch zumuten, dass es die heruntergefallene Gabel selbst wieder hochheben soll. Beginnen Sie schon früh, dem Kind nach und nach mehr Verantwortung für sein Handeln und sein Leben zu geben. Verantwortung übergeben ist übrigens etwas ganz anders als Strafen: Das Kind soll lediglich die Folgen seines Missgeschicks erkennen und - so weit es dazu schon fähig ist - wieder beheben. Wenn es zum Beispiel ein Glas umwirft, kann es vielleicht noch nicht aufwischen, aber Sie könnten es auffordern, einen Lappen zu holen und ihm zeigen, was Sie tun. So kann es aus etwas lernen und wird sich gleichzeitig auch noch in Ihren Alltag einbezogen fühlen. Und schon bald wird es vielleicht von sich aus auf die Idee kommen, Ihnen im Haushalt mitzuhelfen. Auf diese Weise gewinnen beide: Das Kind gewinnt an Selbständigkeit und Sie werden je länger desto mehr entlastet.

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Mitlachen

Manchmal findet es das Kind schon selbst lustig, wenn ihm zum Beispiel etwas aus der Hand gefallen ist. Dann dürfen Sie natürlich mit ihm lachen. Der Pfad ist allerdings ein schmaler, allzu leicht kann das Mitlachen zu einem Auslachen werden. Lachen Sie aber umgekehrt nicht, wenn Sie in Tat und Wahrheit verärgert sind. Kinder spüren sehr genau und würden verwirrt reagieren, wenn Sie etwas anderes sagen, als Sie spüren.

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Hinderliche Reaktionen

Missgeschicke mögen für Eltern gelegentlich ärgerlich sein, doch sollten Sie sich bewusst sein, dass sie für das Lernen erstens unumgänglich sind und sich das Kind zweitens alle Mühe gibt, dass ihm gelingt, was es anstrebt.

Vorwürfe

Verzichten Sie auf Vorwürfe. Kein Kind kommt von sich auf die Idee, seine Eltern zu ärgern oder gar zu manipulieren. Wenn dem Kind etwas nicht gelingt, verfolgt es damit keinerlei Absicht. Es braucht also wenn schon Ihre Unterstützung, indem Sie ihm zum Beispiel erklären, wie es besser oder einfacher ginge, die Kerze anzuzünden. Wenn Sie ihm hingegen vorwerfen, dass es das Streichholz falsch gehalten und sich deshalb die Finger verbrannt habe, wird es an Selbstvertrauen verlieren und sich beim nächsten Mal womöglich keinen Versuch mehr zutrauen. Ein Kind, das sich weh getan hat, braucht immer und sofort bedingungslosen Trost, sonst gar nichts.

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Spott

Erwachsene reagieren auf Missgeschicke von Kindern häufig belustigt, da sie sich zum Beispiel an Komiker erinnert fühlen. Das ist zumindest dann heikel, wenn das Kind selbst sein Unglück nicht lustig findet und vielmehr wütend oder traurig ist. Das Kind fühlt sich dann verspottet, erhält also das Gegenteil von dem was braucht, nämlich Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Anerkennung.

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Strafen

Noch heikler wäre es, das Kind für sein Missgeschick auch noch zu bestrafen. Strafen sind insbesondere in den ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung höchst kontraproduktiv (und sind im übrigen auch später weder sinnvoll noch nötig!). Etwas ganz anderes ist es hingegen, wenn Sie dem Kind möglichst früh die Verantwortung überlassen. Wenn es zum Beispiel hinfällt und sich dabei nicht gerade weh getan hat, was es ja mit Schreien kundtun würde, dürfen, ja sollen Sie ruhig abwarten und zuschauen, ob es nicht selbst wieder auf die Beine kommt, statt es einfach zu packen und aufzustellen. Eltern neigen aus lauter Fürsorge viel zu häufig dazu, ihren Kindern unter die Arme zu greifen, statt sie zuerst einmal selbst machen zu lassen. Wenn Sie zu früh helfen, bedeutet das nichts anderes, als dass Sie dem Kind nicht zutrauen, sich selbst zu helfen, dass Sie also seinen Fähigkeiten zu wenig vertrauen.

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Missachtung

Als Eltern sollen Sie gerade auch dann tolerant sein können, wenn dem Kind etwas nicht gelingt, doch ist das nicht zu verwechseln mit Missachtung. Sie sollen vielmehr aufmerksam sein und beobachten, ob das Kind Ihre Hilfe verlangt oder Trost braucht.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)

Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email

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