Konsequent

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Konsequent handeln bedeutet in der Erziehung, dass Sie entsprechend den Regeln, die Sie selbst aufgestellt oder mit dem Kind vereinbart haben, handeln. Für Kinder ist diese Verlässlichkeit enorm wichtig, um in ihrem Vertrauen in die Eltern bestätigt zu werden und entsprechend Selbstvertrauen aufbauen zu können. Wenn Sie dem Kind etwas in Aussicht stellen, was Sie nicht einhalten, enttäuschen sie es in seinen Erwartungen. Es wird verunsichert und sich beim nächsten Mal überlegen, ob es Ihnen überhaupt glauben soll. Das gilt zudem sowohl für Positives (wie zum Beispiel die Aussicht auf etwas Süsses) als auch für Negatives (wie zum Beispiel die Androhung von Strafen oder das Warnen vor Gefahren): Jede Enttäuschung, selbst wenn diese aus der Sicht der Eltern gut gemeint ist, wie zum Beispiel nicht wahr gemachte Drohungen, beeinträchtigt also das Vertrauen des Kindes in die Eltern.

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Abmachungen

Unter Abmachungen werden hier von Ihnen als Eltern einseitig aufgestellte Regeln verstanden (also zum Beispiel, dass es erst ein Dessert gibt, nachdem alle fertig gegessen haben). Solche "einseitigen Vereinbarungen" müssen Sie dem Kind ausdrücklich mitteilen. Die Einseitigkeit sollte zudem nur während der Phase der Vertrauensbildung, also etwa in den beiden ersten Jahren, zum Zuge kommen und Erklärungen sind nur nötig, wenn das Kind danach fragt.

Entscheidend ist aber, dass Sie als Eltern konsequent die Abmachungen einhalten beziehungsweise auf deren Einhaltung durch das Kind achten. Das heisst, Sie müssen unter Umständen auch sich selbst gegenüber strenger werden und mit Ausnahmen aufpassen. Wenn das Kind zum Beispiel am Fussgängerstreifen vor dem Rotlicht warten soll, müssen Sie sich selbst auch daran halten, ansonsten es sehr schnell gefährlich wird, da Kinder ihre Eltern zum Vorbild (auch zum negativen!) nehmen.

Auch dem Kind gegenüber sollten Sie zurückhaltend sein mit Ausnahmen, jedenfalls mit zunehmenden Alter. Denn Verbindlichkeit ist Voraussetzung für Vertrauen und somit für die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Oder anders gesagt: Wenn Sie dauernd meinen, Ausnahmen machen zu müssen, stimmt etwas mit der Regel nicht und Sie sollten diese überdenken.

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Vereinbarungen

Konsequentes Handeln wird absolut entscheidend in der Phase der Willensbildung, also etwas im dritten Lebensjahr. Dann geht es darum, dass Sie dem Kind Grenzen lehren. Und diese müssen Sie unbedingt konsequent einhalten, ansonsten dem Kind buchstäblich die Leitplanken fehlen und es vom Weg abzukommen droht. In dieser Phase dürfen Sie ruhig zu streng als zu lasch reagieren. Das Kind muss Ihre Grenzen förmlich spüren können. Wenn bei Ihnen zum Beispiel die Regel "Ohne Essen kein Dessert" gilt und das Kind darauf beharrt, nur das Dessert essen zu wollen, müssen sie dabei bleiben, also weder Alternativen anbieten noch Ausnahmen machen (aber auch nicht zum essen zwingen!). Als Konsequenz müssen Sie aber auch in Kauf nehmen können, dass das Kind einmal gar nichts isst (und dabei nicht etwa zu verhungern droht!).

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Ursache und Wirkung

Konsequent heisst folgerichtig, es besteht also ein Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Dieser Zusammenhang muss das Kind zuerst erfahren dürfen, um ihn erkennen zu können. Wenn Sie ihm also sagen, dass es sich weh tut, wenn es zu nahe ans Feuer tritt, dann müssen Sie es diese Erfahrung auch einmal machen lassen – und es nicht etwa im letzten Moment vor der Gefahr wegreissen! Gerade bei eher abstrakten Gefahren ist es für ein Kind am Anfang nahezu unmöglich, die Zusammenhänge abzuschätzen, es muss also zuerst eine entsprechende Erfahrung machen können. Das dürfen Sie natürlich bloss bei "Bagatellgefahren" zulassen (und nicht etwa im Strassenverkehr oder an Gewässern). Lassen Sie das Kind also ruhig einmal mit den Schuhen in eine Wasserlache treten und es erfahren, was es heisst, davon nasse Füsse zu bekommen. Es wird deswegen noch nicht gleich krank, es lernt aber erstens, dass das unangenehme Folgen haben kann und zweitens, dass die Warnungen der Eltern durchaus Sinn machen. Wichtig ist, dass Sie das Kind die Konsequenzen selbst tragen lassen, es also in auch einmal in nassen Schuhen nach Hause laufen lassen (statt dass Sie immer eine Ersatzgarderobe mittragen).

Konsequenzen selbst tragen, heisst Verantwortung übernehmen und dadurch selbständig werden. Das können Kinder schon erstaunlich früh, jedenfalls wenn Ursache und Wirkung unmittelbar zusammenhängen (wie zum Beispiel die Finger im Feuer verbrennen). Schwieriger oder gar unmöglich wird es, wenn diese Unmittelbarkeit nicht gegeben ist. So kann das Kind zum Beispiel weder den Zusammenhang zwischen Süssgetränken und Fettleibigkeit verstehen noch kann es die Gefahr eines Flusses abschätzen. Als Eltern müssen Sie sich deshalb immer wieder fragen, ob das Kind die möglichen Konsequenzen erstens überhaupt erkennen kann und ob diese zweitens allenfalls gefährlich sein könnten. Wenn das Kind zum Beispiel wie wild in der Wohnung herumrennt, wird es zwar nicht damit rechnen, den Kopf an der Tischkarte anzuschlagen, doch sind die Folgen auch kaum derart drastisch, als dass Sie es nicht tolerieren könnten. Vor Bagatellgefahren sollten Sie das Kind aber nicht verschonen, ansonsten Sie ihm die Möglichkeit nehmen, aus dem Missgeschick zu lernen (wichtig ist bloss, dass Sie das Kind allenfalls richtig trösten). Und wenn es nicht lernen darf, wie sich kleinere Missgeschicke anfühlen, wird es eben später, wenn Sie es nicht mehr dauernd kontrollieren können, die Erfahrungen umso mehr "nachholen". Dann aber werden die Erfahrungen regelmässig umso schmerzvoller sein.

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Drohungen, Tadel und Strafen

Sie können also noch sehr warnen, vor eigenen Erfahrungen können Sie Kinder nicht bewahren - und vor allem sollen Sie auch nicht. Noch fataler, da völlig kontraproduktiv, wären Drohungen, Tadel oder gar Strafen: Während Drohungen die Zukunft betreffen, sind Tadel und Strafen ebenso regelmässig in die Vergangenheit gerichtet. Beides ist für Kinder in den ersten Jahren eine Überforderung, denn sie leben noch vollkommen in der Gegenwart. Wenn Sie zum Beispiel dem Kind damit drohen, dass es nicht mehr zur Grossmutter darf, wenn es den Schnuller nicht abgibt, machen Sie ihm bloss Angst und sonst gar nichts. Denn es kann weder einen Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Strafe erkennen (zumal es auch gar keinen objektiven gibt!), noch wird es durch die Drohung in seiner Fähigkeit gestärkt, auf den Schnuller zu verzichten.

Drohungen, Tadel und Strafen sind zudem die falschen Mittel, wenn es eigentlich um Grenzen geht: Wenn das Kind, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, seinen Willen zu entwickeln beginnt, reagieren viele Eltern ziemlich hilflos, statt einfach, dafür laut und deutlich, "Nein!" zu sagen - und dabei konsequent zu bleiben und zu lernen, mit Trotzreaktionen des Kindes umzugehen.

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Verantwortung

Konsequent heisst schliesslich die Folgen seines Tuns oder Lassen verantworten zu können. Auch das können Kinder schon sehr früh lernen, vorausgesetzt sie durften auch selbst entscheiden. Wenn das Kind zum Beispiel selbst bestimmen darf, wann es schlafen geht, wird es auch sehr viel besser einschlafen können als wenn es einfach zu einer bestimmten Zeit ins Bett gelegt wird. Gewöhnen Sie sich deshalb schon so früh wie möglich an, das Kind zu fragen, ob es schlafen gehen will, Hunger hat oder ihm zu warm ist - und glauben Sie ihm, was es Ihnen antwortet, auch wenn Sie es vielleicht nicht immer nachvollziehen können. So kann das Kind die Konsequenzen seiner Entscheide erfahren und lernt entsprechend Verantwortung dafür zu übernehmen.

Später, wenn das Kind nicht mehr unter Ihrer dauernder Obhut steht, wird diese Verantwortung von noch grösserer Bedeutung: Sie müssen sich nun mehr und mehr darauf verlassen können, dass es genügend selbständig ist und auch Konsequenzen abschätzen kann, die es noch nicht erfahren hat oder die nicht so offensichtlich sind. Wenn das Kind in den ersten Jahren schon lernen durfte, mit Freiheit umzugehen, können Sie ihm auch jetzt viel einfacher vertrauen, dass es sich nicht unnötig in Gefahr bringt. Es wird dann zum Beispiel auf dem Schulweg ein Gespür dafür haben, mit welchen Leuten es sich abgeben darf und welchen es eher misstrauen sollte. Dieses Gespür hat das Kind an sich von Natur aus, doch es muss genügend bestätigt worden sein, indem die Eltern ihm in den ersten Jahren vertrauten. Nur so kann es entsprechend Selbstvertrauen entwickeln. Wenn die Eltern hingegen dauernd meinten, sie wüssten eigentlich besser, was für ihr Kind gut ist, wird das Kind später ohne Eltern ziemlich hilflos dastehen und sich entsprechend selbst gefährden.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien


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