Gefühle

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Gefühle sind ein wichtiger Teil der Persönlichkeit des Menschen. Während viele Erwachsene mehr oder weniger Mühe haben ihre Gefühle wahrzunehmen, sind sie für Kinder eine absolute Selbstverständlichkeit. Als Eltern haben Sie denn auch in erster Linie dafür zu sorgen, dass das so bleibt. Das verlangt von Ihnen zum einen Achtsamkeit und zum anderen Respekt. Und ganz nebenbei werden Sie womöglich feststellen, dass Sie gerade dadurch auch Ihre eigenen Gefühle (wieder) besser wahrnehmen.

Gefühle sind ein wichtiges Thema in der Beziehung zwischen zwei Menschen überhaupt und erst recht in der Erziehung von Kindern. Doch entstehen gerade bei diesem Thema regelmässig eine ganze Reihe von Missverständnissen. Im folgenden sollen deshalb ein paar Dinge auseinandergehalten werden:

Grundgefühle

Grundgefühle sind reine, ursprüngliche Gefühle, die jeder Mensch von Natur aus hat. Das "Zweimalzwei der Erziehung" geht von fünf Grundgefühlen aus:

Freude

Kinder freuen sich schon allein über ihr Dasein als solches. Sie brauchen deshalb weder speziell bespasst noch belustigt zu werden. Hingegen wollen sie in ihrer Freude wahrgenommen werden, und zwar unabhängig davon, ob ihre Eltern sich über das Gleiche freuen können oder nicht. Wenn das Kind zum Beispiel gerade gelernt hat, aufzustehen und sich darüber freut, dass es das Glas auf dem Clubtisch ergreifen kann, empfinden Sie möglicherweise mehr Angst denn Freude. Als Eltern geht es in diesem Fall darum, die eigenen Gefühle von denen des Kindes auseinanderzuhalten - und diese dem Kind mitzuteilen ("Oh, hast Du das Glas erwischt? - Komm, gib das Glas mir, ich habe Angst, dass es herunterfällt"). Wenn Sie dem Kind mitteilen, was Sie fühlen, schafft das VertrauensbildungVertrauen und das Kind wird entsprechend Selbstvertrauen aufbauen können. Wenn Sie ihm hingegen aus lauter Angst das Glas einfach aus den Händen reissen, wird es im besten (!) Fall zu toben beginnen und sich, wenn das wiederholt vorkommt, abgelehnt fühlen. Im schlimmsten Fall wird es irgendwann resignieren und entsprechend wenig Selbstvertrauen und Motivation aufbauen können.

Freude ist schliesslich eng verbunden mit Humor, nicht jedoch mit Ironie (oder gar Sarkasmus). Wenn Sie im obigen Beispiel dem Kind sagen "Du wirfst mir das Glas nicht noch vom Tisch runter, oder?" ist das eine ironische Bemerkung, die das Kind nicht verstehen kann: Es wird bloss "runterwerfen" verstehen und entsprechend verunsichert reagieren! Wenn Sie hingegen sagen, dass das Glas Angst habe (herunterzufallen), wird das Kind das lustig finden, da es sich doch gewohnt ist, dass sonst immer es selbst Angst hat. Diese Art von Humor kann das Kind verstehen, zumal wenn Ihre Mimik dazu auch noch stimmt.

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Wut

Wut wird im "Zweimalzwei der Erziehung" verstanden als Reaktion auf eine als ungerecht empfundene Situation. Kinder in der Phase der Willensbildung empfinden vor allem Wut, wenn ihr Wille an eine Grenze stösst: Alles, was ihrem Willen zuwiderläuft, empfinden sie zunächst einmal als eine Widerwärtigkeit des Lebens. Das ist völlig normal und gesund. Entscheidend ist aber, wie die Eltern auf das Toben des Kindes reagieren, das heisst gelernt haben, ihm angemessen Grenzen zu setzen. Wenn der Wille nämlich erst einmal kultiviert ist, also aus ihm ein freier Wille geworden ist, kann aus der Wut Motivation werden. Viele Menschen, die Grossartiges zum Beispiel in Friedensaktivitäten oder im Sport erreicht haben, antworten auf die Frage nach ihrer Motivation: "Wut".

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Angst

Angst ist eine Grunderfahrung des Kindes, die schon mit der Geburt beginnt, wenn es aus dem "wohligen Universum des Mutterleibs mit Rundumversorgung" in die weite fremde Welt heraustritt. Dabei erleidet es wohl eigentliche Todesängste, denn es ist ein anstrengender und zugleich auch für das Kind leidvoller Vorgang, der ohne die heutige medizinische Betreuung sowohl für die Mutter als auch das Kind höchst gefährlich sein könnte. Die Geburt wird denn auch häufig als das eigentlich grösste Trauma des Menschen bezeichnet.

Angst ist ein äusserst hilfreiches Gefühl für das Kind, denn beim Lernen muss es dauernd spüren, ob es sich ein Risiko zumuten kann oder nicht. Und Lernen ist immer mit Risiken verbunden! Lernen heisst im übrigen auch Kennenlernen von fremden Menschen. Achten Sie sich, ob sich das Kind ängstigt oder nicht, und zwar auch bei "an sich nahestehenden" Menschen wie Verwandten oder Freunden. Das Kind empfindet anders als Sie und das müssen Sie unbedingt respektieren! Da hilft auch keine "Entwarnung" nach dem Muster "Du musst keine Angst haben!". Damit würden Sie dem Kind einzig zeigen, dass Sie ihm beziehungsweise seinem Gespür nicht vertrauen, was höchst kontraproduktiv wäre. Fragen Sie es besser, ob es Angst hat und wenn es das bejaht, geben Sie ihm den nötigen Schutz (indem Sie es zum Beispiel in die Arme nehmen oder sich hinter Ihren Beinen verstecken lassen). Wenn Sie spüren, dass es bloss zögert, können Sie es auch fragen, ob Sie ihm helfen sollen, sich dem Gegenüber zum Beispiel langsam zu nähern oder spassesshalber von hinten anzuschleichen. Keinesfalls dürfen Sie das Kind zu etwas drängen, vor dem es sich ängstigt. Das Kind käme in eine Art Loyalitätskonflikt, da es nicht mehr weiss, ob es nun Ihnen oder sich selbst vertrauen soll. Gerade in der Phase der Vertrauensbildung ist es aber entscheidend, dass das Vertrauen des Kindes in seine Eltern von diesen bestätigt wird.

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Trauer

Ein Kind setzt sich von Natur aus immer voll und ganz für sich, sein Überleben und seine Ideen ein: es überlegt sich nie zuvor, ob es sich lohnt oder ob es irgendwelche Hindernisse bei seinen Vorhaben gibt. Es probiert einfach aus und hat damit Erfolg, oder eben nicht. Gelingt ihm etwas, freut es sich, wenn nicht ist es traurig (oder zum Beispiel auch wütend). Entfernen sich seine Eltern von ihm, wenn es sie gerade brauchen würde, kann es ebenso traurig sein (oder zum Beispiel auch ängstlich). Es gibt für ein Kind in den ersten Jahren eine Unzahl Situationen, die es traurig machen können. Trauer ist denn auch für ein Kind eine Grunderfahrung und solange kein Problem, als sich seine Eltern ihm annehmen, das heisst das Kind genügend trösten.

Problematisch wird es erst, wenn das Kind in seiner Trauer nicht wahrgenommen wird, ihm zum Beispiel erklärt wird, dass es doch gar keinen Grund zur Trauer gäbe, oder es gar ausgelacht oder verlassen wird. Wenn das Kind traurig ist, braucht es Ihr Mitgefühl: Halten Sie es (wenn es mag), versuchen Sie dabei Ihre eigenen (!) Gefühle wahrzunehmen und warten Sie, bis sich das Kind beruhigt hat. Das schafft Vertrauen. Wenn Sie die Trauer des Kindes hingegen negieren, wird sich das Kind früher oder später abgelehnt fühlen und sich erst recht traurig fühlen, sodass ein eigentlicher Teufelskreis entsteht. Typische Folgen sind Weinerlichkeit und mangelnde Frustrationstoleranz.

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Schmerz

Die Entwicklung des Kindes ist ein einziger Lernprozess - und das geht nie ohne Misserfolge, Missgeschicke und Misstritte aller Art. Schmerzen gehören deshalb schon von Natur aus zu Kindern. Kinder haben denn auch überhaupt keine Probleme damit, jedenfalls solange sie genügend und bedingungslos getröstet werden. Erwachsene hingegen verfolgen schon aufgrund all der gemachten Erfahrungen meistens eine eigentliche Strategie zur Schmerzvermeidung (was selbstverständlich durchaus auch sinnvoll sein kann).

Als Eltern müssen Sie deshalb wieder lernen, dass Schmerzen zum Leben des Kindes gehören. Ohne die eigene Erfahrung von Schmerzen kann das Kind weder lernen noch Gefahren richtig einschätzen. Gerade in den ersten Jahren geht es in aller Regel um blosse Bagatellgefahren, das heisst solche, die kaum je ernsthafte Verletzungen bewirken können. Diese sind für das Kind besonders wichtig, denn ohne diese Erfahrung wird es die unweigerlich kommenden grösseren, also echten, Gefahren nicht einschätzen können.

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"Positive" und "negative" Gefühle

Gefühle sind weder negativ noch positiv: sie sind einfach! Und sie sind alle genau gleich wichtig. Trauer ist zum Beispiel für die Verarbeitung von Unglücken ebenso wichtig wie die Angst, um sich vor Gefahren in Acht zu nehmen. Einzig die Entwicklung von Ersatzgefühlen ist heikel.

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Emotionen

Ausdruck von Gefühlen

Gemäss dem "Zweimalzwei der Erziehung" werden Gefühle wie Freude, Angst, Trauer, Wut oder Schmerz durch Emotionen ausgedrückt, zum Beispiel durch lachen, schmunzeln, weinen, schreien, erröten, erblassen, aber auch Sprünge, Lähmungen usw. Entscheidend dabei ist, dass für Aussenstehende nicht immer einfach erkenntlich ist, welche (äusseren) Emotionen welchem (inneren) Gefühl entsprechen. So gibt es sowohl Tränen der Freude als auch Tränen der Trauer - oder schlicht Tränen als Reaktion auf geschälte Zwiebeln! Fragen Sie deshalb Ihr Kind wenn es zum Beispiel weint: "Bist Du traurig?" oder "Macht es Dir weh?". Gerade als Eltern sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie zwar Ihrem Kind am nächsten sind, das Kind aber eine ganz eigenständige Persönlichkeit hat und deshalb auch eine eigene Gefühlswelt!

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Unterdrückte Emotionen

Für Gefühle und Emotionen braucht es weder eine Berechtigung noch eine Begründung. Es braucht einzig das Interesse der Eltern herauszufinden, welches Gefühl hinter welcher Emotion steht. Dazu müssen Sie Ihr Kind fragen. Wenn Sie hingegen selbst entscheiden, liegen Sie höchstens zufällig richtig. In allen Fällen aber, in denen Sie falsch liegen, werden Sie dem Kind vermitteln, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Wenn sich das wiederholt, wird das Kind entweder mit innerem Rückzug reagieren oder es wird sich überlegen, wie es sich verhalten soll, dass es Ihren Erwartungen entspricht. Daraus entstehen dann sehr schnell Ersatzgefühle, indem sich das Kind zum Beispiel angewöhnt, in Situationen, die ihm eigentlich zuwider sind, zu lächeln, obwohl es ihm überhaupt nicht danach ist. Früher oder später wird das Kind dann sein eigentlich von Natur aus hervorragendes Gespür verlieren und entsprechenden Gefahren, insbesondere Missbrauch, ausgesetzt sein.

Emotionen dürfen genauso wenig unterdrückt werden wie die dahinter stehenden Gefühle, denn unterdrückte Emotionen können sehr schnell körperliche Schäden bewirken. Ganz abgesehen davon, kann ein Kind seine Emotionen noch nicht steuern (und soll es auch gar nicht erst "lernen"!). Es macht also wenig Sinn, wenn Sie ihm sagen, es solle aufhören zu weinen. Es wäre sogar ganz im Gegenteil höchst kontraproduktiv, da das Kind mit dieser Forderung erstens überfordert ist und es sich zweitens abgelehnt fühlen wird.

Vergessen Sie schliesslich die verbreitete Ansicht, dass Kinder mit ihren Emotionen ihre Eltern manipulieren wollten! Einem Kind, das schreit, fehlt etwas, sei es Essen, sei es Trost oder sonst etwas. Erst wenn das Kind merkt, dass seine Grundbedürfnisse nicht ausreichend befriedigt werden, beginnt es Wege zu suchen, wie es seine Eltern an ihre Pflichten erinnern kann (und entsprechendes Fehlverhalten zu entwickeln).

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Gespür

Gefühlsmässiges Verstehen

Die Fähigkeit etwas Verborgenes oder Künftiges gefühlsmässig zu erfassen, haben Kinder schon von Natur aus. Als Eltern müssen Sie dem Kind das Gespür bloss belassen. Zeit dazu haben Sie in der Phase der Vertrauensbildung, wenn Sie also lernen, den Gefühlen Ihres Kindes zu vertrauen. Lassen Sie zum Beispiel das Kind mit eigenem Besteck essen, sobald es Freude daran findet. Denn Freude ist die beste Motivation um zu lernen. Wenn das Kind hingegen erst dann mit Besteck essen darf, wenn es die Entwicklungstabellen vorsehen (oder umgekehrt zu früh dazu gezwungen wird), wird seine Freude ignoriert. Wenn es dann zum Beispiel mit Wut reagiert und dafür von den Eltern auch noch zurechtgewiesen wird, ist der Teufelskreis perfekt. Lassen Sie das Kind also selbst entscheiden und nehmen Sie vielleicht ein paar Missgeschicke in Kauf, so kann es selbst erfahren, inwiefern es sich auf seine Gefühle verlassen kann (oder vielleicht doch besser auf die Ratschläge der Eltern hört).

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Gespür und Verstand

Während sich der Verstand im Kind erst mit der Zeit nach und nach entwickelt, sind die Gefühle schon von Geburt an da. Es ist jedoch nicht so, dass "Kopf und Herz" zwingend Gegenspieler sein müssten. Ganz im Gegenteil: Wenn Sie dem Kind seine Gefühle in den ersten Jahren lassen und respektieren, wird der Verstand viel mehr zu einer zusätzlichen Fähigkeit um die Welt zu verstehen. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn ein Kleinkind bestimmte Menschen meidet, weil es sich bei ihnen nicht wohl fühlt: Es wird sich ohne jede Angabe eines Grundes gegen deren Nähe wehren. Es ist einzig von seinem Gespür geleitet. Erst später wird es zum Beispiel begründen können, warum lieber neben dem Onkel als neben der Tante sitzen will.

Viele Erwachsene erleben immer wieder, dass sie einen Konflikt zwischen ihrem Gespür und ihrem Verstand haben. Das kommt regelmässig daher, dass ihre Gefühle in den ersten Jahren nicht genügend respektiert wurden. So haben sie es schon in frühster Kindheit verlernt, ihrem eigenen Gespür zu folgen und irgendwann begonnen, diesen Verlust durch ihren wachsenden Verstand zu kompensieren. Idealerweise arbeiten aber Kopf und Herz "gleichberechtigt" zusammen und nicht getrennt voneinander oder gar gegeneinander.

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Mitgefühl

Mitgefühl

Viele Missverständnisse in Beziehungen entstehen durch eine Vermischung der Gefühlswelten: Der eine dankt, die andere fühlt etwas und umgekehrt. Der Mensch kann aber ausschliesslich seine eigenen Gefühle wahrnehmen, alles andere ist schlicht unmöglich. Was aber jeder Mensch kann, ist mitfühlen. Mitgefühl bedeutet, dass Sie im Kontakt mit einem Mitmenschen, Ihre eigenen (!) Gefühle wahrnehmen. Das ist bei Kindern ganz besonders wichtig, da die von Natur aus sehr enge Beziehung zwischen den Eltern und dem Kind häufig dazu verleitet, die eigenen Gefühle zu denen des Kindes zu machen oder die Emotionen des Kindes, die ja bloss Ausdruck von Gefühlen sind, falsch zu deuten.

Fragen Sie deshalb Ihr Kind immer, ob es traurig ist, Schmerzen oder Hunger hat, wenn es zum Beispiel schreit. Aufgrund Ihrer Erfahrungen können Sie zwar vieles erahnen, doch Sie sollten gleich von Anfang an den Glauben aufgeben, dass Sie die Gefühle des Kindes auch wirklich kennen! Kommt dazu, dass gerade in den ersten Jahren die Gefühlswelt ein grosser Teil der Persönlichkeit des Kindes ausmacht. Um das Vertrauen, welches das Kind von Natur aus seinen Eltern entgegenbringt, zu erhalten, ist es entscheidend, dass Sie seine Gefühlswelt so annehmen können, wie sie das Kind selbst erlebt. Denn nur, wenn es sich von Ihnen angenommen fühlt, wird es Ihnen weiter vertrauen und kann es entsprechend Selbstvertrauen aufbauen.

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Mitleid

Ein weiteres Missverständnis ist die Verwechslung von Mitgefühl und Mitleid. Während Mitgefühl bedeutet, dass Sie immer Ihre eigenen Gefühle wahrnehmen, heisst Mitleid, dass Sie - unter Missachtung Ihrer eigenen Gefühle! - Leid empfinden, sobald Sie fremdes Leid sehen. Das passiert sogar dann, wenn das fremde Leid in Tat und Wahrheit gar keines ist, weil Sie sich getäuscht haben (was im übrigen sehr häufig vorkommt!).

Streng genommen handelt es sich beim Mitleid sogar um eine Grenzüberschreitung, wenn auch unbewusst und in der Regel ohne jede böse Absicht. Gerade Eltern leiden aufgrund ihrer naturgemäss äusserst engen Beziehung sehr schnell mit ihren Kindern mit. Wenn Sie aber selbst leiden, ist es äusserst schwierig, zum Beispiel ein Kind zu trösten. Denn für echten Trost ist ein Mindestmass an Gelassenheit nötig. Wenn Sie selbst leiden, werden Sie kein Kind beruhigen können, da Sie zu sehr mit sich selbst statt mit dem Kind beschäftigt sind.

Noch heikler wird es, wenn Eltern das Leid des Kindes geradezu suchen, erfinden oder gar erst verursachen (Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom). Das ist zumindest eine Grenzüberschreitung, kann aber bis zu eigentlicher Kindesmisshandlung ausarten.

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Ersatzgefühle

Ersatzgefühle sind gewissermassen unnatürliche Gefühle, das heisst nicht angeboren, sondern anerzogen. Die Ursachen sind vielfältig, meistens aber geht es um unterdrückte (Grund-)Gefühle, wenn also Eltern zum Beispiel die Trauer oder den Schmerz des Kindes nicht ernst nehmen. Häufig ist der Auslöser auch eine Vermischung der beiden Grundprinzipien der Erziehung, Vertrauen und Grenzen (wenn die Eltern zum Beispiel weder richtig "Ja" noch konsequent "Nein" sagen können ). Verstärkt wird diese Fehlentwicklung noch, wenn die Grundbedürfnisse des Kindes nicht oder nur mangelhaft befriedigt werden (insbesondere mangelnder Trost). Beispiele für Ersatzgefühle sind: Schadenfreude, Eifersucht, Neid, Ärger, Griesgram, Melancholie, Beleidigt sein, Überheblichkeit, Schüchternheit.

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Gefühlskälte

Gefühlskälte ist die Unfähigkeit Gefühle wahrzunehmen. Selbstverständlich sind die Gefühle trotzdem da, aber es gibt Menschen, die schlicht nicht sagen können, was sie gerade fühlen. Werden sie danach gefragt, antworten sie typischerweise mit verstandesmässigen Überlegungen oder Rationalisierungen, und manchmal auch gar nicht, weil ihnen die Frage zum Beispiel viel zu nahe geht.

Die Ursache dafür wird regelmässig in frühester Kindheit gelegt, wenn schon die Eltern Mühe mit der Wahrnehmung von Gefühlen haben und mit ihren Kindern zum Beispiel vornehmlich auf der Verstandesebene kommunizieren versuchen. Damit sind Kinder aber überfordert, da einerseits ihr Verstand noch viel zu wenig ausgeprägt ist und sie andererseits eben in erster Linie auf einer körperlichen und gefühlsmässigen Ebene kommunizieren.

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Verwandte Themen

Die folgenden Begriffe werden zwar häufig im Zusammenhang mit Gefühlen verwendet (oder gar vermischt), sollten aber klar auseinander gehalten werden:

Instinkt

Ähnlich wie Gefühle ist der Instinkt dem Kind ebenfalls angeboren. Er ist aber eher eine Art Mechanismus, der den Menschen gewissermassen automatisch handeln lässt. Auch der Instinkt sollte dem Kind möglichst belassen werden. Als Eltern können Sie sich zum Beispiel darin üben, wenn Sie das Kind so lange schlafen und so viel essen lassen, wie es mag. Vertrauen Sie auch darauf, dass Ihr Kind keinem Lehrplan folgt und eben instinktiv immer das zuerst lernt, was für es selbst (!) gerade am wichtigsten ist. Zumindest in der ersten Phasen der Erziehung, also der Vertrauensbildung, sollten Sie das Kind wann immer möglich selbst entscheiden lassen.

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Intuition

Intuition bedeutet, dass ein Mensch Gesetzmässigkeiten nicht nur aufgrund seines Verstandes und seiner Erfahrungen erfassen kann, sondern auch gefühlsmässig erahnen kann. Wenn Sie dem Kind seinen Instinkt lassen, ist das die beste Voraussetzung dafür, dass es auch Intuition entwickeln kann, das heisst später Entscheidungen nicht ausschliesslich auf der rationalen Ebene trifft, sondern auch gefühlsmässig abwägen kann, ob etwas stimmig ist. Diese Fähigkeit bringt der Mensch noch nicht von Geburt an mit, sondern muss er sich erst durch Erfahrungen erwerben.

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Zuneigung

Die liebevolle Verbindung zwischen Eltern und dem Kind ist in der Regel von Natur aus gegeben. Wie genau diese Zuneigung entsteht, ist ein grosses Geheimnis der Menschheit (und bleibt es wohl auch). Allerdings ist es für die Erziehung unerheblich, ob es sich um eine seelische Verbindung handelt, ein Ausdruck göttlicher Liebe ist oder gar schlicht durch das süsse Lächeln des Kindes, das auf Gedeih und Verderb von seinen Eltern abhängig ist, hervorgerufen wird. Entscheidend ist für die Erziehung einzig die Qualität der Beziehung. Und diese wiederum wird gemäss den beiden Grundprinzipien des "Zweimalzwei der Erziehung" erstens durch Vertrauen und zweitens durch Grenzen geschaffen.

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Liebe

Liebe wird im "Zweimalzwei der Erziehung" mehr als eine Fähigkeit denn eine Empfindung verstanden. Wie in jeder Beziehung geht es auch in der Erziehung letztendlich um Liebe, oder anders ausgedrückt um Vertrauen und Grenzen, oder nochmals anders ausgedrückt: um das "Ja" und das "Nein!".

Die Liebe, die das Kind bei der Geburt mitbringt, will von den Eltern erwidert werden. Das heisst, die Eltern müssen lernen, dem Kind, seinen Grundbedürfnissen und seinen Fähigkeiten zu vertrauen. Und sobald das Kind, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, beginnt seinen Willen zu entwickeln, müssen sie lernen ihm Grenzen zu setzen.

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Zufriedenheit und Glück

Manche Eltern, die ihre kleinen Kinder betrachten, sprechen von "zufrieden und glücklich", ebenso wie manche Erwachsene, die Ihre Kindheit beschreiben sollen. Währenddem Menschen, die auf einer spirituellen oder religiösen Suche sind, oft Zufriedenheit und Glück als (Höchste) Ziele des Lebens angeben. Man könnte daraus die Frage ableiten, weshalb sich denn Kinder überhaupt entwickeln sollen, wenn sie doch schon von Anfang an am Ziel sind. Die Antwort ist einfach: Um selbständig leben zu können ist auch noch Verstand nötig, und dieser entwickelt sich eben erst im Laufe der Zeit. Gerade dieser wachsende Verstand aber, der es dem Menschen erlaubt, Zusammenhänge des Lebens rational zu erfassen, macht ihn zunächst einmal unzufrieden und unglücklich: Er erkennt mehr und mehr die Unzulänglichkeiten der menschlichen Existenz und wird von ihr gewissermassen kontinuierlich enttäuscht (typischerweise beginnt diese Erkenntnis während der Pubertät).

Zufriedenheit und Glück sind denn auch Ziele, die zumindest nicht direkt mit der Erziehung zusammen hängen. Zwar können Sie als Eltern das Fundament dazu legen, doch liegt es schliesslich allein in der Entscheidung des erwachsenen Menschen, inwiefern er überhaupt daran arbeiten will oder nicht!

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien


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