Bedeutung für die Erziehung

Ein möglichst freier Wille ist nebst einem gesunden Selbstvertrauen die wertvollste Kraft des reifen Menschen, um selbständig und beziehungsfähig leben zu können. In der Phase der Willensbildung, die in der Regel etwa im dritten Lebensjahr des Kindes beginnt, müssen die Eltern deshalb besonders aufmerksam sein, um auf dessen Willen angemessen reagieren zu können. Sind sie mit dieser Entwicklung überfordert und reagieren zum Beispiel mit Gewalt, statt dass sie konsequent angemessene Grenzen setzen, kann der Wille des Kindes gebrochen werden, womit die Persönlichkeit des Kindes massiv geschädigt wird.

Es ist zudem eine Illusion, dass ein gebrochener Wille einfach nicht mehr da wäre. Denn wirklich zerstört werden kann er, ausser im Todesfall, nicht! Ein gebrochener Wille ist vielmehr vergleichbar mit einem durch Blitzschlag zersplitterten Baum: Der Stamm zeigt zum Beispiel in die falsche Richtung oder ein Ast liegt unter grosser Spannung auf dem Boden und kann schon durch die kleinste Berührung seine Spannung mit gefährlicher Kraft lösen. Die Folgen eines gebrochenen Willens können je nach Persönlichkeit des Kindes ganz unterschiedlich sein.

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Mögliche Ursachen

Phase der Vertrauensbildung (bis etwa 2 Jahre)

Während der Phase der Vertrauensbildung hat das Kind erst einen Lebenswillen, der lediglich auf die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse abzielt. Dieser Lebenswille ist gewissermassen auf das nackte Überleben des Menschen ausgerichtet und enorm stark, lässt sich also kaum brechen.

Verlassen

Wirklich gefährlich wird es erst, wenn das Kind von seinen Eltern verlassen wird. Dazu braucht es nicht einmal eine Absicht (wie zum Beispiel die Freigabe zur Adoption), das Kind wird sich genau gleich verlassen fühlen, wenn zum Beispiel seine Eltern sterben. Denn Menschenkinder sind gewissermassen auf Gedeih und Verderb von der Sorge ihrer Eltern abhängig und sind sich dessen auch sehr wohl bewusst. Die Gefahr, dass adoptierte Kinder an ihrem Schicksal zerbrechen, ist deshalb immer da und relativ gross. Dieser Gefahr, und der damit verbundenen grossen Aufgabe, müssen sich Paare unbedingt bewusst sein, die eine Adoption in Erwägung ziehen.

Vom Extremfall der Adoption oder dem Tod der Eltern abgesehen, kann das Kind aber auch "bloss vorübergehend" verlassen werden, wenn es zum Beispiel stundenweise fremdbetreut werden soll. Kinder leben in diesem Alter noch voll im Hier und Jetzt, das heisst sie haben keinerlei Vorstellung von einer Zukunft. Wenn Sie sich vom Kind entfernen, sind Sie weg - und zwar zunächst einmal vollkommen und endgültig! Sie müssen deshalb zwingend zuerst mit dem Kind üben, sodass es erfahren kann, dass es sich auf Ihr Wiedererscheinen verlassen kann (so wie Sie das zum Beispiel beim Verstecken spielen machen). Erst wenn das Kind die Regelmässigkeit des Wiedersehens erfahren hat, kann es sich darauf verlassen und loslassen, ansonsten kann sein Vertrauen zu sehr strapaziert werden.

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Schreien lassen

Der Lebenswille des Kindes kann auch beeinträchtigt werden, wenn seine Grundbedürfnisse nicht befriedigt werden und es damit allein gelassen wird. Denn "Abhärten" funktioniert in diesem Alter noch nicht. Wenn Sie das Kind zum Beispiel einfach so lange schreien lassen, bis es vor Erschöpfung einschläft, mag das zwar funktionieren, doch hat das Kind dabei schlicht resigniert! Einem Kleinkind, das schreit, fehlt immer etwas fundamental Wichtiges, auf das es nicht verzichten kann und das ihm grundsätzlich nur seine Eltern geben können. Es braucht deshalb zumindest Ihren bedingungslosen Trost.

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Phase der Willensbildung (etwa 2 bis 4 Jahre)

Wenn das Kind beginnt seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr, entsteht in ihm die stärkste und kreativste Kraft des Menschen überhaupt. Die wenigsten Kinder können diese Kraft einfach von Anfang an "vernünftig dosiert" einsetzen, ganz im Gegenteil: es scheint häufig, als würden sie plötzlich von etwas getrieben, das weder sie selbst noch deren Eltern steuern, geschweige denn kontrollieren könnten. Kommt dazu, dass diese Entwicklung häufig von einem Tag auf den anderen einsetzt. Während das Kind zum Beispiel bisher in aller Selbstverständlichkeit seine sieben Sachen von sich aus an den richtigen Ort verräumt hat, kommt es plötzlich auf die Idee, die Schuhe mit voller Wucht und Selbstverständlichkeit in die Küche zu schmeissen. Konflikte sind deshalb unvermeidlich und zunächst einmal ein Zeichen der gesunden Entwicklung! Entscheidend ist nun allerdings, inwiefern die Eltern die Auseinandersetzung annehmen und auf das Kind reagieren.

Missbrauch der elterlichen Übermacht

Zunächst sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie für das Kind allein durch Ihre körperliche Grösse und seine Abhängigkeit von Ihnen eine absolute Übermacht darstellen. So wäre es Ihnen zum Beispiel ein Leichtes, das davonlaufende Kind einfach zu packen und es festzuhalten. Dagegen beginnt es sich nun aufzulehnen, wenn es zufällig gerade etwas anderes im Sinn hat. Während es Ihre Macht bisher vor allem als Schutz wahrgenommen hat, erfährt es nun gewissermassen die Kehrseite der Medaille. Will das Kind zum Beispiel plötzlich an einem anderen Platz am Esstisch sitzen, der aber schon besetzt ist, müssen Sie sich als erstes überlegen, ob Sie auf der bisherigen Sitzordnung beharren wollen (und dafür auch vernünftige Gründe erklären können!), oder ob Sie nachzugeben bereit sind. Wenn Sie nicht nachgeben wollen, weil es vielleicht um den Platz eines Geschwister geht und dieses nicht zu wechseln bereit ist, müssen Sie sich auf die Konfrontation einlassen. Das bedeutet aber nicht etwa, dass Sie das Kind einfach gegen seinen Willen packen und an den bestimmten Platz hinsetzen, denn das wäre ein Missbrauch Ihrer Gewalt. Dadurch versuchen Sie eben den Willen des Kindes zu brechen! Versuchen Sie zunächst, dem Kind zur erklären, weshalb Sie bei Ihrer Haltung bleiben wollen. Anfangs der Willensbildung wird das aber kaum nutzen, denn der Wille des Kindes ist noch absolut und kompromisslos. Dann müssen Sie zum Kind laut und deutlich "Nein!" sagen und dabei konsequent bleiben. Damit setzen Sie ihm eine Grenze. Jenachdem wie wichtig ihm der Platzwechsel ist, wird es darauf zu toben beginnen. Darauf müssen Sie lernen, angemessen zu reagieren. Oder es besetzt den Platz einfach und das kleine Geschwister steht heulend daneben. Dann könnten Sie zum Beispiel antworten, dass es erst zu essen gibt, wenn es den Platz wieder freigegeben hat. Damit nutzen Sie zwar Ihre Macht, doch Sie lassen dem Kind seinen Willen: es kann selbst entscheiden, ob es nachgibt (sodass es essen kann) oder ob es bei seinem Anspruch bleibt (und dafür hungert).

Machtkämpfe zwischen den Eltern und dem Kind sind also nicht zu vermeiden, doch sollten Sie immer darauf achten, dass Sie dem Kind seinen Willen lassen insofern lassen, als es grundsätzlich frei entscheiden kann (ausser natürlich bei wirklichen Gefahren). Zudem gibt es Situationen, in denen Sie merken, dass Sie Ihre bisherigen Ansichten überdenken könnten und nachgeben können. Geben Sie aber nicht einfach nach, weil es bequemer ist und Sie die Konfrontation fürchten. Denn das wird sich sehr schnell rächen, da das Kind so eine Macht erhält, die ihm noch gar nicht zusteht und mit der es denn auch noch gar nicht umgehen kann. Das Kind braucht nämlich Grenzen!

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Nicht respektiertes "Nein!" des Kindes

Als Eltern haben Sie die Recht und die Pflicht, dem Kind "Nein!" zu sagen und konsequent darauf zu bestehen. Das gilt aber auch in umgekehrter Richtung! Wenn das Kind also "Nein!" sagt, müssen Sie das ebenfalls respektieren. Wenn Sie von ihm zum Beispiel verlangen, dass es vor dem Essen noch sein Spielzeug verräumt und es darauf mit "Nein!" antwortet, müssen Sie sich auf die Konfrontation einlassen. Wenn Sie es einfach mitsamt dem Spielzeug packen und in sein Zimmer tragen, brechen Sie mit Ihrer Gewalt seinen Willen. Bleiben Sie ruhig bei Ihrer Forderung, doch warten Sie zum Beispiel mit dem Essen, bis es sich entschieden hat, entweder das Spielzeug zu verräumen oder zu toben. Beginnt es zu toben, gilt es angemessen zu reagieren. Auf diese Weise können Sie konsequent bleiben und gleichzeitig dem Kind seinen Willen belassen, da es ja immer noch frei entscheiden kann. Es ist ein subtiler, aber wesentlicher Unterschied, ob Sie sich dem Willen des Kindes entgegenstellen oder ob Sie ihn einfach übergehen und brechen!

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Verweigerte Versöhnung

Wie in jeder Beziehung sind gegensätzliche Absichten und damit Konfrontationen auch zwischen den Eltern und ihrem Kindern unvermeidlich. Allerdings besteht eine Hierarchie, in der den Eltern die Verantwortung zukommt, nicht nur zu entscheiden, welche Regeln gelten, sondern nach einem Streit darüber dafür zu sorgen, dass eine Versöhnung möglich ist. Versöhnung ist in der Phase der Willensbildung das, was zuvor der Trost war, nämlich ein Grundbedürfnis des Kindes. Die Wut des Kindes darüber, dass es seinen Willen nicht durchsetzen konnte, mag noch so gross sein: wenn es sich danach mit der Welt, insbesondere seinen Eltern, wieder versöhnen konnte, ist alles gleich vergessen und die Welt wieder in Ordnung. Es konnte erfahren, dass es seinen eigenen Willen haben darf, auch wenn es damit gelegentlich an Grenzen stösst, dabei aber "trotzdem" noch geliebt wird.

Der Anstoss zur Versöhnung muss also von Ihnen kommen. Wenn Sie vor lauter eigener Wut das Kind zum Beispiel einfach durch Nichtbeachtung strafen oder es gar wegsperren, wird es sich abgelehnt und verlassen fühlen. Es braucht aber auch in diesem Moment Ihren Beistand!

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Mögliche Folgen

Die Folgen eines gebrochenen Willens auf das Verhalten des Kindes sind je nach dessen Persönlichkeit ganz unterschiedlich, auf jeden Fall aber gravierend. Es gibt Kinder, die eher resignativ reagieren und andere, die eher übermässig impulsiv, provokativ oder gar aggressiv werden. Typische Folgen sind:

  • Gewalttätigkeit: Die häufigste Folge ist Gewalt in unterschiedlichster Form. Denn Gewalt erzeugt fast immer Wut und Gegengewalt, gerade wenn sich das Opfer noch nicht anders wehren kann. Kinder können in den ersten Jahren nirgendwo Hilfe holen, da diese ja eigentlich von den Eltern kommen sollte, also die Personen, die zugleich Täter sind. Opfer der kindlichen Gewalt sind dann meistens Schwächere, wie die jüngeren Geschwister. Gerade von Gewalt betroffene Kinder entwickeln aber auch ein sehr feines Gespür dafür, wie sie ihren Eltern Gewalt antun können, indem sie zum Beispiel gezielt wertvolle Gegenstände in der Wohnung zerstören.
  • Jähzorn: Die affektive, nicht mehr kontrollierbare Form der Wut, der Jähzorn, ist fast nur noch auf Zerstörung ausgerichtet. Daraus entsteht dann häufig ein Teufelskreis, der häufig tragisch endet.
  • Heimtückisches Verhalten: Wenn ein Kind immer wieder erfährt, dass sein Wille nicht respektiert wird, sucht es indirekte Wege um sich Geltung zu verschaffen. Häufig ist zum Beispiel zu beachten, dass das Kind jüngere Geschwister quält, sobald es sich unbeobachtet fühlt.
  • Rachegelüste: Da Kinder sprichwörtlich auf Gedeih und Verderb ihren Eltern ausgeliefert sind, können sie auch beschliessen, sich erst dann zu wehren, wenn sie älter und genügend kräftig sind. In der Regel wird dieser Zeitpunkt im Laufe der Pubertät erreicht, wenn die Kontrolle über das Kind schon aus rein physischen Gründen kaum mehr möglich ist. Rachegelüste können dann sehr schnell für alle Beteiligten gefährlich werden.
  • Lügen: Eine weitere Strategie um gewalttätigen Eltern zu entkommen, sind Lügen. Wenn das Kind zum Beispiel immer wieder erfährt, dass es bestraft wird, bloss weil es seinen Willen durchzusetzen versucht, wird es sehr schnell "lernen", welche Geschichte es den Eltern auftischen muss, um der Strafe zu entgehen.
  • Depressionen: Kinder können aber auch mit Resignation oder später gar mit Depressionen reagieren, wenn ihr Wille nicht ernst genommen wird. Solche Kinder fallen in der Schule häufig als Duckmäuser auf: sie trauen sich nicht, ihre Anliegen in der Gruppe einzubringen.
  • Sucht: Kinder, denen keine angemessenen Grenzen gesetzt werden, suchen diese trotzdem und gerne von sich aus. Sie können diese später zum Beispiel in Form von Drogen aller Art finden. Süchtiges Verhalten hat seinen Ursprung meistens in den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung.

Ein gebrochener Wille bedeutet immer eine grundlegende Schädigung der Persönlichkeit des Kindes, unter der auch der erwachsene Mensch zu leiden haben wird.

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Gratwanderung

Anfangs der Phase der Willensbildung mag es für Sie schwierig zu erkennen sein, wann Sie dem Kind eine nötige Grenze setzen müssen und wann Sie den Willen des Kindes zu brechen versuchen. Zwei Kriterien können Ihnen dabei helfen:

Entscheidungsfreiheit

Das beste Kriterium ist die Entscheidungsfreiheit des Kindes: Lassen Sie ihm eine Wahl oder entscheiden Sie für das Kind? Und wenn Sie ihm eine Wahl lassen: ist damit etwa eine Drohung verbunden? Ganz zu vermeiden ist das zwar nie, zumal Sie ja regelmässig innert kürzester Zeit entscheiden müssen, wie Sie sich verhalten sollen. Es ist aber selten so, dass schon Ihr erstes Fehlverhalten schädigend wirken würde, vermehr sind es die Wiederholungen, die irgendwann zu viel sind. Wichtig ist deshalb, dass Sie aus allfälligen Fehlern lernen und auf Ihr Gespür achten: wie fühlten Sie sich nach Ihrem Entscheid, welche Alternativen wären möglich gewesen?

Wenn das Kind zum Beispiel zu Besuch bei Freunden eine Porzellanfigur aus dem Bücherregel ergreifen will und Sie der Meinung sind, dass diese viel zu zerbrechlich und wertvoll ist, als dass Sie es einfach mal ausprobieren lassen wollen, müssen Sie sofort mit einem laut und deutlich ausgesprochenen "Nein!" reagieren. In den allermeisten Fällen erzielen Sie damit bereits die gewünschte Wirkung, jedenfalls wenn Sie von Ihrer Haltung selbst genügend überzeugt sind und konsequent dabei bleiben. Sie müssen bloss vielleicht den Mut aufbringen, auch bei fremden Leuten derart "hart" aufzutreten (keine Angst: in aller Regel ist das genau ein einziges Mal nötig!). Gerade beim ersten Mal kann es sogar nötig sein, das Kind mit Ihrem "Nein!" richtig anzuschreien, denn es gibt Kinder, die müssen den Widerstand der Eltern förmlich spüren. Nun kann es immer noch sein, dass sich das Kind nicht beeindrucken lässt und die Figur ergreift oder schneller war und die Figur bereits in den Händen hielt, bevor Sie reagieren konnten. Dann gilt es zuerst abzuwägen, wie gross die Gefahr wirklich ist: Kinder sind nämlich von Natur aus schon sehr vorsichtig und es gibt durchaus Möglichkeiten, mit Ihnen den Umgang mit zerbrechlichen Dingen zu üben, gerade wenn sie bereits in früheren Situationen erfahren durften, was passieren kann. Falls das aber keine Option ist, weil Sie vielleicht spüren, dass sich auch Ihre Freunde Sorgen um die Figur machen und von Ihnen ein Eingreifen erwarten, müssen Sie konsequent bei Ihrer Haltung bleiben und das Kind nochmals auffordern, Ihnen die Figur zurückzugeben. Weigert es sich, könnten Sie ihm zum Beispiel sagen, dass Sie so lange bei ihm bleiben und nichts anderes machen, bis es von sich aus die Figur zurück gibt. So bleibt ihm eine Wahl. Keinesfalls dürfen Sie ihm die Figur einfach aus den Händen reissen. Denn damit würden Sie eben seinen Willen brechen (ganz abgesehen davon, dass dann die Gefahr erst recht entsteht, dass dabei die Figur im Gerangel zerbricht). Die Wahl, die Sie dem Kind lassen, ist zwar tatsächlich sehr eingeschränkt und natürlich nicht gerade attraktiv. Das macht aber gar nichts, denn es ist nicht bloss Ihre Pflicht, sondern auch Ihr Recht, auf Ihren Regeln zu beharren, liegt doch die Verantwortung bei Ihnen und nicht etwa beim Kind!

Verteidigung und Angriff

Letztendlich geht es in der Erziehung auch um die Machtfrage. Macht im Sinne einer zunächst positiven (!) Fähigkeit, etwas bewirken zu können. Diese Macht erfährt auch das Kind, wenn es beginnt seinen Willen zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie als Eltern schon aus rein physischen Gründen natürlich immer die Übermacht. Entscheidend ist deshalb, dass Sie diese zwar ausüben, aber eben nicht missbrauchen. So dürfen und sollen Sie grundsätzlich immer Widerstand leisten, wenn Sie zum Schluss kommen, dass das Kind eine bestimmte Grenze überschreitet. Widerstand ist grundsätzlich immer passiv, also eine Art Verteidigung. Sie stellen sich zum Beispiel dem Kind in den Weg, oder verweigern ihm etwas, bis es seine Pflicht erledigt hat oder mit Toben aufgehört hat. Heikel wird es, wenn Sie sozusagen zum Angriff übergehen, also das Kind zu etwas zwingen, was es nicht will (ausser natürlich, es geht um wirkliche Gefahren).

Im obigen Beispiel dürfen Sie das Kind also nicht einfach am Arm packen und ihm die Porzellanfigur aus den Händen reissen oder es von hinten packen und in ein Zimmer versorgen. Das wäre ein Angriff und nicht mehr eine blosse Verteidigung. Natürlich ist das nicht immer einfach, vor allem wenn Sie sich selbst fürchten, dass irgendetwas kaputt gehen könnte oder sonst eine Gefahr droht, doch sollten Sie sich zumindest im Nachhinein fragen, wie Sieg gehandelt hatten und welche Alternativen es gegeben hätte. Und schliesslich müssen Sie mit Kindern auch gewisse Unglücke in Kauf nehmen können, wie eben eine zerbrochene Porzellanfigur, oder Sie müssen sich zumindest während den ersten Jahren so einrichten, dass möglichst nichts Schlimmes passieren kann.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Freier Wille (zweites Grundprinzip der Erziehung)

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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