Bedeutung für die Erziehung

Der Essrhythmus ist, im Gegensatz etwa zum Rhythmus des Herzens oder der Atmung, nicht etwa von der Natur vorgegeben, sondern ein typisches Produkt der westlichen Zivilisation: Die allgemeinen drei Hauptmahlzeiten und die (eher individuellen) Zwischenmahlzeiten sind nur dank des allgemeinen Wohlstandes überhaupt erst möglich, während in früheren Zeiten gar nicht immer genügend Nahrungsmittel zur Verfügung standen. Es geht denn beim Essrhythmus mehr um Regeln als um das Thema Essen und Trinken.

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Vom Stillrhythmus zum Essrhythmus

Während der Schwangerschaft wird das Kind kontinuierlich, also dauernd und ohne Unterbruch, mit Nahrung versorgt. Nach der Geburt, wenn es gestillt wird, muss es sich also zuerst umstellen: Das Saugen an der Mutterbrust (oder an der Flasche) ist sehr anstrengend, sodass es danach regelmässig müde ist und wieder schläft. Der Stillrhythmus wird sich also schon aufgrund dieser Anstrengung fast von alleine einstellen. Wenn das Kind einen Stillrhythmus gefunden hat (meistens mit "sanftem Druck" der Mutter) wird es auch den Essrhythmus der Eltern automatisch übernehmen. Ob das Kind zwischen den Hauptmahlzeiten noch Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen soll, ist individuell, grundsätzlich aber sicher zu empfehlen, da schon das Wachstum von Kindern derart viel Energie braucht, dass diese in der Regel gar nicht ausschliesslich mit Hauptmahlzeiten aufgenommen werden kann.

Wichtig ist natürlich auch, dass Sie selbst einen klaren Essrhythmus haben, denn das Kind nimmt Sie zum Vorbild. Schon diese Vorbildfunktion genügt in der Regel, dass Kinder ihren Essrhythmus dem der Eltern angleichen. Und selbstverständlich sollte das Essen nicht mit anderen Aktivitäten wie Fernsehen, Spazieren oder Spielen vermischt werden.

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Essrhythmus und Regeln

Das Kind wird also von sich aus keinen eigenen Essrhythmus finden, sondern würde einfach dann essen, wenn es Hunger hat und ihm etwas zur Verfügung steht. Aufgrund des allgemein vorherrschenden Überflusses in der westlichen Zivilisation könnte es also dauernd essen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Eltern mit Ihrem Essverhalten selbst ein Vorbild sind und dem Kind mit zunehmendem Alter auch klar mitteilen, wann es Essen gibt und wann nicht. Dabei geht es um Grenzen und Regeln.

Der Essrhythmus wird schliesslich durch Appetit zu den Essenszeiten gefördert. Dazu ist aber auch ein entsprechender Hunger und Durst nötig. Sie haben deshalb auch die etwas spezielle Aufgabe, das Kind vor Überfluss zu verschonen, notfalls gar durch eine Art "künstliche Verknappung". Das gilt für das Essen und nicht etwa auf das Trinken: Flüssigkeit sollte das Kind natürlich jederzeit erhalten, wenn es Durst hat und danach verlangt. Unnötig ist bloss, das Kind dauernd zu fragen, ob es trinken will, es kann sich durchaus selbst melden.

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Ausgelassene Mahlzeiten und Hunger

Kinder können auch einmal eine Mahlzeit auslassen, ohne dass ein bestimmter Grund ersichtlich wäre, der zur Sorge Anlass geben müsste. Zwingen Sie das Kind nicht, wenn es nicht mag, das wäre höchst kontraproduktiv. Lassen Sie es immer selbst entscheiden, muten Sie ihm aber auch zu, dass es mit den Konsequenzen umgehen kann, also bis zur nächsten Mahlzeit warten kann. Ein wenig Hunger und Durst wird ihm keineswegs schaden. Bedenken Sie zudem, dass Rhythmus nicht einfach "alle so und so viel Stunden" bedeutet, sondern auch "immer dann, wenn sich der Hunger meldet" heissen kann.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnete Prinzipien

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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