Einschlafen

Aus Das Zweimalzwei der Erziehung
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Bedeutung für die Erziehung

Einschlafen bedeutet vor allem loslassen. Und loslassen kann das Kind von Geburt an, wird es doch mit einem uneingeschränkten Vertrauen in die Eltern und überhaupt in die Welt geboren. Säuglinge schlafen denn auch regelmässig schon ein, wenn sie bloss gestillt werden. Allfällige Schwierigkeiten beginnen erst, wenn ein Schlafrhythmus gefunden werden soll. Denn das ist zunächst kein, beziehungsweise noch kein, Bedürfnis des Kindes, sondern eines der Eltern, wenn auch ein durchaus vernünftiges und berechtigtes. Einschlafen kann jedes Kind, jedenfalls wenn es den Zeitpunkt selbst bestimmen darf. Die Frage ist also bloss, wie Sie zusammen mit dem Kind einen Schlafrhythmus finden, mit dem beide leben können.

Für Sie als Eltern bedeutet das, dass Sie aufmerksam sein müssen,

  • wann das Kind erstens überhaupt so müde ist, dass es tatsächlich Schlaf braucht und dass
  • es zweitens auch schon bereit ist zum schlafen.

Schliesslich müssen Sie auch noch für die Umstände besorgt sein, die es dem Kind leichter machen loszulassen. Dann will und kann jedes Kind einschlafen!

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Voraussetzungen zum Einschlafen

Natürlich schläft jedes Kind irgendwann von selbst ein, die Frage ist bloss wann. Und diese Frage ist vor allem für die Eltern von Bedeutung, weil sie selbst einen Schlafrhythmus haben, den sie schätzen und den das Kind idealerweise mehr oder weniger übernimmt. Denn so müssen Sie nur dann zum Kind schauen, wenn Sie selbst auch wach sind. Das ist ein absolut legitimes Anliegen, doch hat das zunächst einmal nichts mit dem Schlafrhythmus des Kindes zu tun, da sich dieser während der Schwangerschaft vor allem nach den schaukelnden Bewegungen im Mutterleib richtete. Diese wirkten auf das Ungeborene beruhigend, sodass es vorzugsweise tagsüber schlief, während sich die Mutter bewegte. Soll das Kind nun künftig vornehmlich nachts schlafen, muss es also seinen Rhythmus umstellen. Das kann früher oder später jedes Kind. Um ihm diese Umstellung zu erleichtern, gilt es zwei an sich einfache, aber entscheidende Punkte zu beachten:

Müdigkeit

Die wichtigste und eigentlich auch selbstverständlichste Voraussetzung, dass ein Kind einschläft, ist natürlich, dass es überhaupt müde ist. Allerdings vernachlässigen gerade diesen Punkt viele Eltern, wenn sie zum Beispiel meinen, dass ihr Kind ab einem bestimmten Zeitpunkt müde sein müsste (und ab einem späteren Zeitpunkt wieder ausgeschlafen sein müsste). Wann das Kind wirklich müde ist, weiss nur es selbst. Umgekehrt kann es sich auch nicht einfach noch ein wenig anstrengen und diese Müdigkeit wieder überwinden. Sie müssen deshalb lernen aufmerksam zu sein und seine Mimik und Gestik wahrzunehmen (wie gähnen oder Kopf anlehnen). Zudem gewöhnen Sie sich am besten gleich von Anfang an, sich zu vergewissern, ob Ihre Vermutung richtig ist, indem Sie es fragen ("Bist Du müde?"). Damit zeigen Sie dem Kind, dass Sie um es sorgen und seine Bedürfnisse ernst nehmen.

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Bereitschaft

Kinder können noch so müde sein und sind trotzdem noch nicht bereit schlafen zu gehen. Das müssen Sie unbedingt respektieren, da kein Mensch gegen seinen Willen schlafen kann! Sie müssen sich hingegen überlegen, was denn noch alles so spannend sein könnte, dass das Kind noch nicht bereit ist. Das können viele verschiedene Faktoren sein (wie zum Beispiel ein interessanter Besuch oder ein neues Spielzug, aber auch eine unbekannte Umgebung und vieles mehr, siehe unten: Hindernisse). Warten Sie also, bis das Kind auch bereit ist, schlafen zu gehen und fragen Sie ("Willst Du schlafen gehen?"). Wenn Sie versuchen, es zum schlafen zu zwingen, wäre das höchst kontraproduktiv, denn erstens ist es schlicht unmöglich gegen den eigenen Willen zu schlafen, und zweitens würde das Kind ziemlich sicher dagegen protestieren, sodass es wieder hellwach wird, womit auch noch die erste Voraussetzung zum Einschlafen, nämlich die Müdigkeit, wieder vorbei ist.

Seien Sie sich immer wieder bewusst, dass Kinder mindestens so gerne schlafen wie Sie selbst. Sie sollten also eine Haltung entwickeln, die dem Kind zeigt, dass es sich auf etwas freuen darf und nicht dass es "schlafen gehen muss", was gewissermassen eine "Zwangsbeglückung" wäre. Betrachten Sie das Ganze zudem als Lernprozess, bei dem Sie zusammen mit dem Kind lernen können, miteinander zu kooperieren. Denn Kindern ist sehr am Wohl ihrer Eltern gelegen, das heisst, sie wollen Sie nicht etwas auslaugen, ganz im Gegenteil, sind sie doch sprichwörtlich auf Gedeih und Verderb von Ihnen abhängig, also darauf angewiesen, dass Sie fit bleiben! Das kann zum Bespiel durchaus bedeuten, dass Sie gelegentlich zusammen mit Ihrem Kind schlafen gehen, zumal Sie ja selbst nur allzu häufig zu kurz kommen mit Schlafen.

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Umstände zum Einschlafen

Wohl gibt es Kinder, die unter allen möglichen und unmöglichen Umständen von sich aus schlafen gehen. Das hängt mit der individuellen Persönlichkeit zusammen und kann sich im Laufe der Zeit durchaus ändern. Sie dürfen das aber nicht einfach von Ihrem Kind erwarten, bloss weil es andere tun. Vereinfachen Sie deshalb die Aufgabe für sich selbst wie auch für das Kind, indem Sie für ein schlafförderndes Klima sorgen, das Ihrem Kind Geborgenheit vermittelt:

Dunkelheit

Der Tag- und Nachwechsel hilft Menschen am besten und einfachsten beim Einschlafen und Aufwachen. Das gilt auch für Kinder. Dämmen Sie deshalb möglichst alle für das Kind wahrnehmbaren Lichter in Ihrer Wohnung und ziehen Sie, wenn nötig, die Gardinen. Unter Umständen müssen Sie auch Leuchten von elektronischen Geräten abschalten beziehungsweise unsichtbar machen, wenn sie die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich ziehen. Schon beim Wickeln können Sie das Licht stark dimmen (Kerzen wären zwar ideal, doch sollten Sie die damit verbundene Gefahr nicht unterschätzen, da Sie nebst der Kerze ja auch noch das Kind auf dem Wickeltisch beaufsichtigen müssen). So wird sich das Kind sehr schnell daran gewöhnen, dass Dunkelheit mit Schlaf zusammenhängt. Solche Regelmässigkeiten können Sie schon ganz früh einsetzen und nach und nach zu eigentlichen Ritualen ausbauen. Natürlich können gerade Kleinkinder auch bei Tageslicht einschlafen, doch ist Verdunkelung ein sehr einfaches und wirkungsvolles Mittel, um das Kind den Tagesrhythmus zu gewöhnen.

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Gedämpfte Stimme

Das gleiche gilt für Ihre Stimme. Reduzieren Sie zunächst die Kommunikation auf ein absolutes Minimum und antworten Sie zum Beispiel auf Äusserungen des Kindes nur noch mit einer lautlosen Zustimmung ("Mmh"). Sie brauchen auch nichts mehr zu kommentieren, was sonst noch läuft. Und wenn Sie schon unbedingt sprechen müssen, tun Sie das mit ruhiger, leiser Stimme. Stille signalisiert dem Kind, dass es nichts mehr zu besprechen oder zu erledigen gibt und es loslassen darf. Wenn Sie zum Beispiel Besuch haben, sollten Sie besser darauf verzichten, dass sich dieser nach den Vorbereitungen zum Schlafengehen auch noch beim Kind verabschiedet und es womöglich wieder aufweckt, zumal dieser sich ja noch in tagheller Umgebung und angeregter Stimmung unterhält. Gerade Kleinkinder brauchen weder Begrüssungs- noch Abschiedsrituale.

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Regelmässigkeiten und Rituale

Schon die regelmässige Wiederholung der beiden ersten Punkte, also das Abdunkeln des Schlafplatzes und das Dämpfen der Stimme, können für das Kind zu einem Ritual werden, das ihm Sicherheit und Geborgenheit gibt, sodass es noch einfacher loslassen kann. Je nach Alter können Sie natürlich noch weitere Rituale einbauen, wie das Schmusetuch geben, das Gesicht waschen, Gute Nacht-Geschichten erzählen und ähnliches. Es genügen schon kleine Dinge, an die sich das Kind gewöhnen kann und die ihm Vertrauen in den Lauf der Dinge geben. Wenn Sie das Kind dann zum Beispiel den Grosseltern zum übernachten geben, können Sie diesen auch die wichtigsten Regelmässigkeiten mitgeben, die zumindest anfangs helfen können mit der neuen Umgebung zurechtzukommen. Grosseltern werden aber zudem eigene Rituale haben, an die sich das Kind sehr schnell gewöhnen wird. Regelmässigkeit hat zunächst nichts zu tun mit der Uhrzeit: So werden zum Beispiel Kleinkinder im allgemeinen nach dem Essen müde, allerdings unabhängig davon, wann genau Sie essen! Regelmässige Essenszeiten helfen also indirekt, wenn Sie eine bestimmte Zeit zum Schlafengehen anpeilen.

Machen Sie aber keine schlechten Gewohnheiten zu Ritualen, denn auch diese können für das Kind unverzichtbar werden. So können Sie zum Beispiel das Kind schnell daran gewöhnen, dass es immer einen Löffel Honig braucht, bevor es schlafen geht. Das kann zwar wirkungsvoll sein, doch ist es natürlich alles andere als gesund!

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Ruhe

Selbstverständlich sollten Sie auch für eine möglichst ruhige Umgebung sorgen, also sämtliche Unterhaltungselektronik ausschalten und zum Besipiel Gäste bitten, sich ruhiger zu unterhalten. Nicht alle Kinder lassen sich gleich stören, Sie müssen also beobachten, welche Quellen ausgeschaltet werden müssen und welche sie laufen lassen können (vertraute Geräusche können sogar beruhigend wirken). Wichtig ist vor allem, dass Sie selbst ruhig sind, also sich zum Beispiel betont langsam bewegen. Das Kind soll förmlich spüren, dass nun alles in seiner Umgebung zum Stillstand kommt und nicht etwa, dass es bloss vom pulsierenden Leben abgeschnitten wird. Sie werden deshalb möglicherweise und zumindest vorübergehend auf einige lieb gewonnene Gewohnheiten verzichten müssen.

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Ordnung

Wenn das Kind schlafen soll, soll es durch nichts mehr abgelenkt werden. Sorgen sie deshalb dafür, dass zumindest der Wickeltisch und der Schlafplatz aufgeräumt und frei von Spielzeug sind. Zum Einschlafen genügt ein Schmusetuch oder Kuscheltier völlig. Und wenn es in Ihren Armen einschläft, sollte auch Ihre Umgebung möglichst keine Ablenkung mehr bieten (wie zum Beispiel funkelnde Leuchten). Das Aufräumen des Kinderzimmers zusammen mit dem Kind können Sie sogar zu einem Ritual ausbauen oder mit ihm eine feste Ordnung abmachen, was es alles zu erledigen gilt vor dem Schlafengehen (Aufräumen, Zähne putzen, Gesicht waschen usw.). Dadurch geben Sie ihm Verantwortung und es spürt, dass es mitbestimmen kann. Oder anders gesagt: es muss nicht schlafen gehen, es darf einschlafen.

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Vorbereitungen

Während die einen Kinder von einem Moment auf den anderen ins Bett wollen und einschlafen können, brauchen andere eine gewisse Zeit der Einstimmung. Dabei hilft zum Beispiel, dass Sie gewisse Dinge schon vorbereiten, wie zum Beispiel Wickeln, den Schlafanzug anziehen oder das Zimmer lüften. Kinder helfen dabei auch gerne mit, indem sie zum Beispiel ihr Kuscheltier schon mal schlafen legen. Anfangs werden Sie noch helfen müssen, doch schon bald wird das Kind von sich aus damit beginnen, da es ja gerne schlafen geht! Je mehr das Kind mitbestimmen darf, desto mehr wird es Verantwortung übernehmen.

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Hilfen zum Einschlafen

Im Allgemeinen schlafen die meisten Kinder einfach ein, wenn schon nur die beiden ersten Punkte erfüllt sind, also Müdigkeit und Bereitschaft, während die nötigen Umstände von sehr individueller Bedeutung sind. Manchmal, vor allem am Anfang, brauchen Kinder aber auch Ihre Hilfe. Wichtig bei jeder Form von Hilfe ist, dass Sie das Kind immer zuerst fragen, ob Sie ihm helfen sollen ("Soll ich Dir noch ein wenig helfen einzuschlafen?"). Es ist überhaupt nicht nötig, dass das Kind darauf mit Worten antworten kann, seine Mimik und Gestik genügen vollkommen.

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Tragen und Wiegen

Am naheligendsten ist natürlich, das Kind in die Arme zu nehmen und es mit wiegenden Schritten umherzutragen. Das Kind wird sich dadurch an die Zeit der Schwangerschaft erinnert fühlen, wo es noch in vollkommener Geborgenheit rundum versorgt wurde. Wichtig ist dabei, dass Sie so ruhig wie möglich gehen und einen stimmigen Rhythmus finden. Wenn Ihnen das Gespür für diesen Rhythmus abgeht, können Sie ganz einfach davon ausgehen, dass "je langsamer desto besser" gilt. Bleiben Sie möglichst in dem Zimmer, in dem das Kind schläft und lassen Sie das Licht ganz ausgeschaltet (ein kleiner Türspalt sollte genügen). Bleiben sie aufmerksam und versuchen Sie zu spüren, wann das Kind ganz losgelassen hat. Das ist meistens erst einige Zeit nachdem es die Augen geschlossen hat. Sie werden es mit ein wenig Übung ganz eindeutig anhand der Körperspannung feststellen. Erst dann können Sie es an seinen Schlafplatz legen und zudecken. Bedanken Sie aber immer, dass auch das nur funktioniert, wenn das Kind tatsächlich müde und bereit ist!

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Dazulegen und Halten

Andere Kinder können weniger gut in den Armen der Eltern einschlafen und es genügt schon, dass sie deren Anwesenheit spüren. Dann können Sie sich einfach zum Kind hinlegen und ausprobieren, ob Sie es zum Beispiel noch halten sollen oder ob es bloss einen Ihrer Finger braucht. Auch hier gilt, dass Sie so lange warten sollten, bis sie spüren, dass es wirklich losgelassen hat und sich erst dann entfernen dürfen. Wichtig ist, dass Sie selbst auch so ruhig werden, als würden Sie bald einschlafen. Sie sollten deshalb keinerlei Reaktion zeigen, wenn das Kind zum Beispiel beginnt mit Ihren Fingern zu spielen. Es muss vielmehr spüren, dass sich nun nichts mehr bewegt und alles ruhig wird.

Manche Kinder sind zwar müde und würden auch gerne schlafen, doch "zappelt noch irgendetwas in ihnen". Solche Kinder können gut durch Streicheln beruhigt werden. Sie müssen einfach ausprobieren, was wie wirkt. Grundsätzlich gilt "je feiner und langsamer, desto besser". Ihre Fingerkuppen, die über den Kopf streichen (in Richtung der Haare, also von hinten nach vorne) oder Ihr Daumen, der über die Hand streicht, können Wunder bewirken. Achten Sie aber immer auf die Reaktion des Kindes, denn nicht alle mögen es gestreichelt zu werden.

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Singen und Summen

Die Stimme der Eltern beruhigt Kinder grundsätzlich immer. Allerdings ist natürlich zu beachten, dass die Melodie nicht anregend wirkt. Abgesehen davon reagieren Kinder unterschiedlich auf Gute Nacht-Lieder und können zum Beispiel den Text als Aufforderung zum Plaudern aufassen. Sie müssen also ausprobieren, was wie wirkt.

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Kontraproduktive Hilfsmittel

Verzweifelte Eltern können auf allerlei mehr oder weniger hilfreiche Ideen kommen, um ihr Kind zum Einschlafen zu bringen. In den allermeisten Fällen liegt das Problem aber einzig daran, dass die beiden wichtigsten Voraussetzungen, nämlich Müdigkeit und Bereitschaft, nicht erfüllt sind. Dann aber wirken viele Hilfsmittel geradezu kontraproduktiv, indem sie vielleicht kurzfristig wirken, aber langfristig eher das Gegenteil bewirken oder unerwünschte Nebenwirkungen haben:

  • Schnuller: Schnuller können sehr wirkungsvoll sein, denn sie simulieren das Gestillt werden, was grundsätzlich beruhigt wirkt. Allerdings sollten Sie möglichst zurückhaltend sein, denn der Schnuller ist eben immer und bloss eine Ersatzbefriedigung. Haben Sie das Kind erst einmal daran gewöhnt, dass es nur noch mit Schnuller einschlafen kann, wird es diesen auch wieder brauchen, wenn es ihn in der Nacht verliert und aufwacht. Wenn es ihn dann womöglich nicht mehr findet oder ihn noch nicht selbst einschieben kann, kann es auch nicht wiedereinschlafen. Ist es dann auch noch allein im Zimmer, beginnt es zu schreien und wird erst recht wach. Dagegen ist der Daumen immer verfügbar und das Kind wird auch erst dann daran zu lutschen beginnen, wenn es das wirklich braucht. Betrachten Sie den Schnuller also nur als Mittel für den Notfall, wenn das Kind zum Beispiel durch nichts anderes zu beruhigen ist, aber setzen Sie ihn keinesfalls prophylaktisch ein.
  • Spazierfahrten: Wenn Sie das Kind in den Wagen legen und mit ihm so spazieren gehen, ist das an sich ein gutes Mittel um es einschlafen zu lassen, da die leicht schaukelnden oder rüttelnden Bewegungen beruhigend wirken. Allerdings erzielen Sie den gleichen Effekt, wenn Sie das Kind sanft schaukelnd im Schlafzimmer herumtragen. Zudem gewinnt das Kind im Wagen auf der Strasse natürlich kein Vertrauen in seine Schlafumgebung, an die es sich ja gewöhnen sollte. Das Risiko ist also gross, dass es sich an die nächtlichen Spaziergänge gewöhnt statt an sein Schlafzimmer!
  • Autofahrten: Das Gleiche gilt für den "Trick" mancher Eltern, das Kind im Auto "spazieren" zu führen. Hier kommt einfach noch eine völlig unnötige Umweltbelastung dazu.
  • Spezielle Geräuschkulissen: Es soll Kinder geben, die zum Beispiel nur noch mit einem laufenden Ventilator einschlafen können. Das mag sein, doch sollten Sie sich nicht an der Nase herumführen lassen. Zwar sind vertraute Geräusche förderlich, doch müssen Sie aufpassen, dass Sie das Kind nicht dazu provozieren, einfach mit Ihrer Geduld oder Phantasie zu spielen, bloss weil es noch ein wenig unterhalten werden will. Wenn es nämlich wirklich müde ist und auch bereit zum einschlafen ist, ist ihm die ganze Umgebung ziemlich gleichgültig!
  • Elektronische Einschlafmusik: Noch heikler ist Unterhaltungselektronik, auch wenn sie angeblich kindergerecht sein soll. Kinder können damit richtiggehend "angefixt" werden. Es mag für Eltern bequem sein, das Suchtpotential ist jedoch nicht zu unterschätzen!
  • Essen und Trinken: Lassen Sie sich nicht irritieren: Ein Kind, das wirklich müde ist und bereit ist zum schlafen, hat keinen Hunger und keinen Durst mehr (vorausgesetzt natürlich, es wurde zuvor gestillt). Wenn Sie sich auf entsprechendes Verlangen einlassen, provozieren Sie das Kind geradezu, mit Ihnen zu spielen und immer wieder Neues auszuprobieren!

Bevor Sie sich also weitere mehr oder wenige unsinnige Tricks ausdenken, sollten Sie sich bewusst sein, dass das Risiko gross ist, dass Sie damit entweder Rituale schaffen, an die sich das Kind gewöhnt und von denen es nicht mehr so einfach loskommt, oder dass Sie es gar provozieren, sich immer wieder neue Prozeduren auszudenken, die Sie mitmachen sollen! Dabei würde es genügen, wenn Sie die beiden weitaus wichtigsten Voraussetzungen beachten würden, nämlich dass es erstens wirklich müde ist und dass es zweitens auch bereit ist einzuschlafen.

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Hindernisse beim Einschlafen

Wenn Sie Mühe damit haben, Ihr Kind einschlafen zu lassen, sollten Sie sich vor allem vergewissern, ob denn die beiden wichtigsten Voraussetzungen überhaupt erfüllt sind, nämlich dass es erstens wirklich müde ist und dass es zweitens auch bereit ist einzuschlafen. Denn in aller Regel fehlt es schon daran. Weitere Gründen können sein:

Pflicht

Kinder sprechen häufig davon, dass sie ins Bett gehen "müssten", dabei ist Schlaf eigentlich auch für Kinder etwas Wunderbares und wenn schon ein Recht, sicher aber keine Pflicht! Sie sollten also unbedingt Ihre Einstellung überdenken, wenn Sie der Meinung sind, dass Ihre Kinder schlafen gehen müssten (und nicht schlafen gehen dürfen). Denn das wäre eine Art "Zwangsbeglückung", die genauso kontraproduktiv ist, wie wenn Sie zum Beispiel das Kind zum Essen zwingen würden, obwohl es klar signalisiert, dass es gar nicht mag. Kinder können immer - aber auch nur dann - schlafen, wenn sie erstens müde sind und zweitens von sich aus bereit sind zum schlafen. Wenn eine dieser beiden Voraussetzungen nicht erfüllt ist, macht es nicht den geringsten Sinn, das Kind zum schlafen bewegen zu wollen. Wenn es sich dagegen wehrt, dann einzig weil des vernünftig reagiert! Und wenn Sie in diesem Moment auch noch Gewalt anwenden (indem Sie es zum Beispiel gegen seinen Willen ins Bett tragen), ist der Teufelskreis perfekt, denn das Kind beginnt sich dagegen zu wehren, was es bloss noch mehr aufweckt.

Ein grosser Irrtum ist auch die Meinung, dass Kinder abends schon in den ersten Jahren möglichst früh schlafen gehen müssten, damit sie sich schon mal daran gewöhnen können, später morgens rechtzeitig aufzuwachen um in die Schule zu gehen. Das ist zwar gut gemeint, aber trotzdem völlig kontraproduktiv. Kinder sollten erstens ihren Schlafrhythmus selbst finden können, sie brauchen dafür bloss ein wenig Unterstützung ihrer Eltern, indem diese für förderliche Umstände sorgen. Und Schlaf ist zweitens ein Grundbedürfnis, das heisst, je besser dieses befriedigt wird, desto besser kann das Kind später damit umgehen, dass seine Schlafzeit auch von äusseren Umständen, wie eben den Schulzeiten, mitbestimmt wird. Lassen Sie deshalb das Kind immer selbst bestimmen, wann und wie lange es schlafen will. Wird es nämlich bereits in den ersten Jahren zu einem ihm fremden Schlafrhythmus gezwungen, wird sein Grundbedürfnis nur mangelhaft befriedigt und es kann entsprechend weniger Frustrationstoleranz entwickeln, sodass es womöglich mehr Mühe haben wird, wenn es später zu einer festgelegten Zeit wieder aufstehen muss. Kinder hingegen, deren Grundbedürfnisse in den ersten Jahren Vorrang hatten, können später umso besser mit äusseren Zwängen umgehen!

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Uhrzeit

Das weitaus grösste Hindernis beim Einschlafen ist, wenn der angestrebte Schlafrhythmus mit festen Schlafenszeiten verwechselt wird, Eltern also meinen, ihr Kind müsste zu einer bestimmten oder doch zumindest bis zu einer bestimmten Uhrzeit schlafen gehen. Denn das wäre schlicht eine Überforderung, das kann kein Kind (und auch für Erwachsene ist es alles andere als einfach, "auf Kommando" einzuschlafen!). Denn ob ein Kind müde ist oder nicht, hängt von sehr vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel was den ganzen Tag über lief oder was abends sonst noch los ist. Die Uhrzeit ist dabei nur ein Faktor unter vielen und sollte höchstens als Richtschnur verstanden werden. Lassen Sie dem Kind grundsätzlich die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann es schlafen gehen will. Zumindest während den beiden ersten, aber alles entscheidenden Phasen der Erziehung sollte es überhaupt keine Rolle spielen, von wann bis wann das Kind schläft. Der Schlafrhythmus wird sich bei jedem Kind früher oder später von alleine einpendeln. Und wenn das Kind zum Beispiel einmal ein Mittagsschläfchen auslässt, bedeutet das noch lange nicht, dass es aus dem Rhythmus gekommen ist, ganz im Gegenteil: der Rhythmus ist etwas Lebendiges, der sich an die Umstände anpasst und immer wieder variieren kann. Denn Kinder funktionieren genauso wenig wie wie Maschinen wie Erwachsene.

Natürlich ist es das Ziel, dass das Kind irgendwann nur noch nachts schläft und tagsüber wach ist. Dieses Ziel dürfen und sollen Sie im Hinterkopf behalten. Aber mehr als "sanften Druck" sollten Sie nicht ausüben. Das könnte zum Beispiel heissen, dass Sie die ersten Vorbereitungen zwar immer nach dem Abendessen starten, aber unabhängig davon, wann Sie mit dem Essen fertig sind. Oder dass Sie das Kind nach dem Mittagessen immer fragen, ob es müde sei und schlafen gehen will.

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Licht

Zwar können Kinder auch tagsüber und bei Tageslicht schlafen, doch von Natur aus ist es einfacher, wenn es dunkel ist. Licht kann denn auch ein echter Schlafkiller sein. Wenn Sie also Mühe damit haben, dass Ihr Kind nicht einschlafen kann, sollten Sie unbedingt möglichst alle Lichtquellen eliminieren. Das gilt noch umso mehr, wenn das Kind wieder aufwacht: Licht ist zu dieser Zeit ein absolutes Tabu, zudem auch gar nicht nötig, da sich die Augen ja bereits an die Dunkelheit gewöhnt haben und Sie bloss noch das Nötigste sehen müssen. Bereiten Sie sich deshalb entsprechend vor und richten Sie Ihre Wohnung so ein, dass Sie das Licht möglichst einfach ausschalten oder doch wenigstens stark dimmen können. Die Wirkung von Licht auf den Schlaf wird gemeinhin unterschätzt! Unter Umständen kann es nötig sein, dass Sie auch das Licht ausserhalb des Schlafplatzes des Kindes dämpfen oder ausschalten. Denn wenn das Kind sieht, dass es in seiner Umgebung doch noch weiter geht mit Unterhaltung, könnte es sich ausgeschlossen fühlen und das Schlafengehen nicht mehr als Lust, sondern als Pflicht empfinden. Bedenken Sie, dass Kunstlicht immer Tag und somit Aktivität simuliert, was insbesondere für Kleinkinder irritierend sein kann!

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Unterhaltung

Wenn das Kind soll einschlafen können, dürfen Sie es nicht gleichzeitig unterhalten, indem Sie ihm zum Bespiel lustige Sachen erzählen oder gar mit ihm spielen. Das Kind muss klar spüren, dass der Tag zu Ende geht und alle Aktivitäten zur Ruhe kommen. Insbesondere Unterhaltungselektronik, auch wenn sie angeblich kindergerecht sein soll, ist höchst kontraproduktiv. Hilfreich ist hingegen, das Kind selbst aufzufordern Aktivitäten zu beenden, indem Sie ihm zum Beispiel sagen, es solle das Spielzeugauto versorgen, da dieses doch endlich schlafen möchte. Auch die Zeit zum Kuscheln ist beim Schlafengehen abgelaufen, wohingegen sanfte Liebkosungen durchaus beruhigen können. Kinder brauchen nicht viel Worte, sie müssen bloss spüren, dass ihre Umgebung auch passiv wird.

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Anstandsregeln

Erwachsene sind sich gewohnt, dass sie sich vor dem Schlafengehen bei den Anwesenden verabschieden, genauso wie sie sich beim Wiedersehen mit bestimmten Ritualen wieder begrüssen. Damit wird Klarheit geschaffen. Kinder, vor allem Kleinkinder, brauchen das noch nicht. Sie verabschieden sich gewissermassen implizit, sie brauchen also keine Worte und schon gar keine Höflichkeitsfloskeln. Zwingen Sie deshalb Ihre Kinder nicht, sich noch bei allen Anwesenden mit Winken und Küsschen zu verabschieden, zumal die Versuchung gross sein kann, noch ein wenig zu kuscheln oder Spässe zu treiben. Das alles würde das schläfrige Kind bloss wieder wecken, sodass die erste der beiden wichtigsten Voraussetzungen bereits wieder dahin ist.

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Mangelnde Geborgenheit

Es gibt zwar Kinder, die können überall und unter allen Umständen einschlafen, doch wenn die Geborgenheit fehlt, kann das ein Hindernis sein. Gerade Kleinkinder brauchen viel körperliche Nähe und vertraute Bezugspersonen. Unbekannte Geräusche können sie erschrecken und eine unvertraute Umgebung oder fremde Gerüche können sie verunsichern. In der Regel können sie sich aber an all das gewöhnen. Gerade wenn sie zum Beispiel bei den Grosseltern übernachten sollen, reicht schon die naturgemäss enge Beziehung zu diesen meistens. Entscheidend ist einzig, dass die beiden wichtigsten Voraussetzungen, nämlich Müdigkeit und Bereitschaft, erfüllt sind.

Geborgenheit kann aber auch bedeuten, dass das Kind bei Ihnen im Bett oder zumindest in Ihrem Schlafzimmer schlafen will. Das Bedürfnis nach sprichwörtlicher Nestwärme ist gerade für Kleinkinder gross und kann nicht einfach ersetzt werden. Dem sollten Sie wann immer möglich nachgeben. Denn es ist gewissermassen eine Investition für die Zukunft: Je besser die Grundbedürfnisse des Kindes in den ersten Jahren befriedigt werden, desto einfacher haben Sie es danach. Hat das Kleinkind erfahren können, dass es für es gesorgt wird, wird sein Vertrauen in die Eltern und überhaupt in die Welt bestätigt, sodass es später umso weniger Mühe hat, im eigenen Zimmer oder gar auswärts zu schlafen. Ihre eigenen Bedürfnisse können dadurch natürlich zu kurz kommen, doch sollten Sie immer bedenken, dass diese Zeit verhältnismässig kurz ist, verglichen mit der Zeit danach, während der Ihr Kind sich nahezu von alleine weiterentwickelt. Schliesslich brauchen Sie sich auch nicht zu fürchten, dass Sie die Kinder nie mehr aus Ihrem Schlafzimmer bekommen, ganz im Gegenteil: Wenn die Grundbedürfnisse des Kindes, wozu eben auch Geborgenheit gehört, in den ersten Jahren immer und bedingungslos erfüllt wurden, werden Sie staunen, wie kooperativ Kinder sein können!

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Mangelnde Struktur

Kinder lernen insbesondere durch Nachahmung, sie nehmen also ihre Eltern zum Vorbild. Soll das Kind einen Schlafrhythmus entwickeln, ist es deshalb wichtig, dass Sie als Eltern ein Mindestmass an strukturiertem Leben führen. Das gilt vor allem für die Mahlzeiten und selbstredend für Ihren eigenen Schlaf. Falls Sie bis jetzt eher unregelmässig und spontan gelebt haben, sollten Sie sich jetzt an gewisse Regelmässigkeiten gewöhnen und zum Beispiel abends immer zur etwa gleichen Zeit und vorzugsweise zu Hause essen. So erfährt das Kind durch die Wiederholungen den Tagesablauf und kann sich orientieren. Das gibt ihm den nötigen Halt, sodass es umgekehrt umso einfacher loslassen kann. Fehlt ihm hingegen diese Struktur, wird sein Vertrauen in den guten Lauf der Dinge unweigerlich beeinträchtigt, sodass es sich womöglich ängstigt und sich nicht so so einfach gehen lassen kann.

Erfährt das Kind genügend Regelmässigkeit, kann es interessanterweise umgekehrt viel besser mit Ausnahmen umgehen und zum Beispiel an einem Silvester bis um Mitternacht wach bleiben. Selbstverständlich sollte es aber auch da selbst bestimmen dürfen und nicht etwa künstlich wachgehalten werden.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)