Bedeutung für die Erziehung

Menschenkinder sind zwar bei der Geburt von ihren Eltern vollkommen abhängig und wären ohne deren Fürsorge gar nicht lebensfähig. Das Ziel der Erziehung sollte aber von Anfang an Selbständigkeit sein. Dafür braucht es ein bedingungsloses Vertrauen der Eltern in die Grundbedürfnisse und in die Fähigkeiten des Kindes.

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Mögliche Ursachen

Abhängigkeiten in Beziehungen entstehen aufgrund eines beeinträchtigten Vertrauens. In der Eltern-Kind-Beziehung liegt die Verantwortung dafür immer und nur bei den Eltern, da zumindest während den beiden ersten, alles entscheidenden Phasen der Erziehung noch nicht von einer partnerschaftlichen Beziehung ausgegangen werden kann. Es besteht vielmehr eine Hierarchie, in der die Eltern dafür zuständig sind, ein gesundes Vertrauensverhältnis zu schaffen.

Mangelndes Selbstvertrauen der Eltern

Häufig fürchten Eltern aus mangelndem Selbstvertrauen, dass sie ihr Kind sozusagen in die Selbständigkeit verlieren. Eine reife Beziehung verlangt aber gerade nach der Selbständigkeit beider Beteiligter, das gilt auch für die Eltern-Kind-Beziehung:

  • Wankelmütigkeit: Was in jeder Beziehung gilt, gilt für Kinder noch viel mehr: sie brauchen Klarheit. Das heisst, dass Sie entweder bedingungslos "Ja" oder konsequent "Nein!" sagen. Damit kann jedes Kindes umgehen. Schwierig wird es für ein Kind erst dann, wenn Sie sich vor den Konsequenzen Ihres Entscheides fürchten und deshalb weder wirklich "Ja" noch "Nein!" sagen wollen, also sozusagen versuchen, sich mit einem "Jein" aus der Affäre zu schleichen, oder wenn Sie Ihr "Nein!" gleich widerrufen, weil Sie auf Widerstand treffen. Solche Wankelmütigkeit bindet das Kind an Sie, weil es keine richtige Antwort von Ihnen erhält und deshalb noch ewig darauf wartet. Diese Bindung besteht aber vor allem aus einer Sehnsucht, ist also belastend.
  • Negatives Verwöhnen: Kinder lassen sich von Natur aus gerne verwöhnen. Das ist auch solange sinnvoll und positiv als es sich um die Grundbedürfnisse des Kindes handelt. Wenn das Kind aber zum Beispiel dauernd mit Süssigkeiten oder übermässigen Geschenken bedacht wird, ist die Gefahr gross, dass dieses einseitige Geben zu einem Hauptbestandteil der Beziehung wird.
  • Manipulation: Noch heikler wird es, wenn Eltern mehr oder weniger bewusst versuchen, das Kind so zu manipulieren, dass es sich nicht von ihnen ablösen kann. Das ist zum Beispiel beim Verabschieden zu beobachten ("Bist Du sicher, dass Du Mama nicht vermissen wirst?").

Wenn Sie Angst davor haben, die Beziehung zum Kind zu verlieren, sollten Sie sich bewusst werden, dass es höchst kontraproduktiv ist, es an sich binden zu wollen. Kinder müssen sich ganz im Gegenteil ablösen können um selbständig zu werden. Und nur wenn sie selbständig sind, können sie reife Beziehungen eingehen!

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Mangelndes Vertrauen in die Grundbedürfnisse des Kindes

Die Grundbedürfnisse des Kindes sollten möglichst immer und sofort befriedigt werden. Und zwar in erster Linie von den Eltern selbst. Wenn das Kind zum Beispiel zu wenig Trost erhält oder gar abgelehnt wird, entwickelt es eine Sehnsucht danach. Kann diese Sehnsucht nicht gestillt werden, sucht es nach Ersatzbefriedigung, woraus nur allzu schnell süchtiges Verhalten wird.

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Mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes

Ein gesundes Kind bleibt von den Eltern abhängig, wenn diese zu wenig Vertrauen in den Lebenswillen und in die Fähigkeiten des Kindes haben. Sie sollten sich von Anfang an bewusst sein, dass jedes Kind das ganze Potential, das es für sein Leben braucht, schon bei der Geburt in sich trägt. Es braucht einzig das Vertrauen seiner Eltern, dass es sich selbst entwickeln kann und will. Wenn dieses Vertrauen zu gering ist, kommen Eltern in allerlei Versuchung, dem Kind zu helfen, obwohl es die Hilfe weder verlangt noch braucht:

  • Nachhelfen: Lassen Sie das Kind immer zuerst alles selbst ausprobieren, wenn es das will. Staunen Sie, was es sich alles zutraut. Wenn Sie ihm zu schnell und zu oft nachhelfen, womöglich noch ohne es vorher gefragt zu haben, ob es Ihre Hilfe überhaupt braucht, ist die Gefahr gross, dass es sich daran gewöhnen wird und entsprechend von Ihnen abhängig bleibt (im besseren Fall wird es allerdings gegen Ihre Hilfe protestieren!).
  • Abnehmen: Muten Sie Ihrem Kind zu, dass es alles, was es selbst tun kann, auch salbt erledigt. Das gilt anfangs vor allem für die kleinen Dingen des Alltags, wie Schuhe versorgen oder Gesicht waschen. Selbstverständlich sollen Sie ihm helfen, wenn es das verlangt, weil es zum Beispiel zu müde ist. Sie dürfen ihm aber nicht einfach Dinge abnehmen, weil es für Sie schneller und einfacher geht, als das Kind aufzufordern es selbst zu tun!
  • Entscheiden: Kinder können grundsätzlich alles selbst entscheiden, was es üblicherweise in ihrem Leben zu entscheiden gibt. Anfangs werden sie zwar noch mehr ihrem Gespür als ihrem Verstand folgen. Doch gibt es im Nachhinein keine falschen Entscheidungen, sondern bloss Erfahrungen, aus denen das Kind lernen kann. Überlassen Sie Entscheide deshalb möglichst immer dem Kind, es sein denn, es drohen wirkliche Gefahren. Die Einstellung, Eltern wüssten am besten, was für ihr Kind gut sei, ist vielleicht eines der grössten Missverständnisse in der Erziehung. Dadurch entsteht Abhängigkeit von den Eltern, statt Selbständigkeit. Sie sollten also dankbar sein, wenn das Kind protestiert, wenn Sie zum Beispiel für es entscheiden, wie es den Ball werfen soll: es ist ein Zeichen seiner gesunden Entwicklung!

Mangelndes Vertrauen der Eltern in die Fähigkeiten des Kindes führt immer zu mangelndem Selbstvertrauen des Kindes, was wiederum seine Selbständigkeit beeinträchtigt.

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Weiterführende Themen

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Übergeordnetes Prinzip

Selbstvertrauen (erstes Grundprinzip der Erziehung)

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Fragen und Feedback

Das "Zweimalzwei der Erziehung" ist zum Teil noch im Aufbau. Allfällige Fragen oder Feedback sind willkommen: Email


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