Erziehung

Die meisten Definitionen von Erziehung haben als Grundlage eine aktive Einflussnahme auf die Entwicklung des Kindes. Das 2 x 2 verzichtet dagegen zumindest auf die aktive Beeinflussung (eine passive ist hingegen unvermeidlich). Das Wort „erziehen“ ist deshalb von seiner Bedeutung her nicht wirklich passend – wird mangels sinnvoller Alternativen aber trotzdem benutzt.

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Das afrikanische Sprichwort sagt sehr viel über die Problematik des Wortes „erziehen“ aus: An Kindern gibt es nämlich rein gar nichts zu ziehen, nicht an deren Potential und schon gar nicht an deren Ohren! Da es aber kaum eine sinnvolle Alternative gibt (übrigens auch nicht in anderen germanischen oder lateinischen Sprachen), wird auch im 2 x 2 von „Erziehung“ gesprochen, wenn auch mit einer klaren Abgrenzung zum ursprünglichen Sinn des Wortes:

Eigenständige Persönlichkeit des Kindes

Das „2 x 2 der Erziehung“ sieht zumindest von einer aktiven Beeinflussung des Kindes ab: Es geht nicht um ein Einwirken auf das kindliche Verhalten, sondern um eine (allenfalls zu erlernende) Haltung der Eltern. Denn die Persönlichkeit des Kindes entwickelt sich zunächst einmal von allein und seine Fähigkeiten hat das Kind vollkommen unabhängig von den Eltern.

Etwas anderes ist die Tatsache, dass Kinder ihre Eltern schon von sich aus zum Vorbild nehmen. Das können Sie nicht verhindern – und brauchen es auch nicht zu verhindern. Sie sollten sich bloss bewusst sein, dass dem so ist, und vor allem, dass Ihr Kind zunächst einmal alles, was von Ihnen kommt, als grundsätzlich richtig und gut wahrnimmt. Also auch all das, was eben nicht unbedingt richtig und gut ist. Der entscheidende Unterschied zu einer aktiven Beeinflussung ist der, dass Sie als Vorbild bloss passiv wirken.

Vertrauensbildung

Diese Einstellung zur Persönlichkeit des Kindes ist schon während der ersten Phase der Vertrauensbildung (also in den beiden ersten Jahren), entscheidend. Denn es ist nicht etwa das Kind, das zu vertrauen lernen müsste (es vertraut Ihnen schon von Natur aus!), sondern vielmehr seine Eltern, die lernen müssen. Einerseits die Grundbedürfnisse des Kindes zu verstehen und andererseits daran zu glauben, dass alle Fähigkeiten, die das Kind jemals für sein Leben benötigt, bereits in ihm schlummern. Sie brauchen also bloss zuzuschauen, und sich darüber zu freuen, wie sich Ihr Kind entwickelt. Man könnte in dieser Phase auch sagen, es geht einzig um das bedingungslose „JA“ zum Kind.

Willensbildung

In der folgenden Phase der Willensbildung (also etwa zwischen zwei und vier Jahren) sind es wiederum die Eltern, die lernen müssen, dem Kind und dessen Willen auch angemessen Widerstand zu leisten. Denn das Kind braucht nun Herausforderungen und Grenzen, um seinen noch rohen Willen gewissermassen kultivieren zu können. Selbstverständlich hat dieses Verhalten der Eltern einen Einfluss auf das Kind, aber es sollte immer noch ein möglichst passiver sein. Es geht in dieser Zeit darum, dass Sie lernen, wenn nötig „Nein!“ zu sagen.

Ziele der Erziehung

Das Ziel Ihrer Erziehungsarbeit ist gemäss dem „2 x 2 der Erziehung“ ist schliesslich

Dazu braucht das Kind

„Ja“ und „Nein!“

Zusammenfassend könnte man sagen: Wenn Sie als Eltern gelernt haben, zu Ihrem Kind zunächst wirklich „Ja“ und danach wenn nötig konsequent „Nein!“ zu sagen, dürfen Sie alles andere dem Kind überlassen und brauchen weder an ihm zu ziehen, es zu beeinflussen, noch zu führen oder ihm irgendetwas beizubringen. Denn alles, was das Kind jemals für sein Leben braucht, hat es bereits in sich!

Eine Allegorie

Erziehung ist vergleichbar mit der Pflege eines Gartens: Sie haben den Samen gesät, halten die Beete Ordnung und geben den Pflanzen Wasser, wenn nötig. Ansonsten lassen Sie die Pflanzen in Ruhe, ziehen also nicht an ihnen. Nur wenn diese wirklich Schutz brauchen oder zu verwildern drohen, müssen Sie gezielt eingreifen. Ansonsten dürfen Sie sich einfach am Gedeihen erfreuen und warten, bis die Früchte reif sind.

Übersicht

Auch wenn der Ausdruck „Erziehung“ für das 2 x 2 von seiner Bedeutung her also nicht wirklich passend ist, wird er mangels Alternative trotzdem verwendet:

Phasen der Erziehung:

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