Gleichberechtigung und Gleichstellung

Mutter und Vater haben naturgemäss und zumindest während den beiden ersten Phasen der Erziehung unterschiedliche Rollen in Bezug auf das Kind. Das hat aber weder mit Gleichberechtigung noch mit Gleichstellung zu tun.

Grundsatz

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in unserer Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich ist aber auch, dass Vater und Mutter frei sind, wie sie ihre Elternrolle untereinander verteilen. Die allfällige Forderung nach Gleichstellung, also zum Beispiel eine 50:50-Rollenverteilung der elterlichen Aufgaben, ist grundsätzlich unabhängig von den Grundprinzipien der Erziehung. Dieser Blog ist denn auch im allgemeinen geschlechtsneutral zu verstehen, ausser dort wo ausdrücklich zwischen Vater und Mutter unterschieden wird.

Archetypische Rollen

Davon abgesehen ist aber auch selbstverständlich, dass der Mutter zumindest während der Schwangerschaft und bei der Geburt sowie in der Zeit des Stillens schon von Natur aus eine völlig andere Rolle zukommt als dem Vater. Während der Mutter die Hauptaufgabe zukommt, wirkt der Vater eher unterstützend. Und während die Mutter unverzichtbar ist, könnte die Rolle des Vaters durchaus auch von einem anderen Menschen übernommen werden.

Während den beiden ersten Phasen der Erziehung

Die Mutter ist also zuerst und wie in jeder neuen Beziehung geht es zuerst immer um Vertrauensbildung. Der Vater ist dann aber umso mehr gefordert, wenn das Kind beginnt, seinen Willen zu entwickeln, in der Regel etwa im dritten Lebensjahr. Man könnte deshalb die beiden Prinzipien des „Ja“ und des „Nein!“ zumindest archetypisch der Mutter beziehungsweise dem Vater zuordnen. Eine solche Rollenverteilung macht zumindest anfangs durchaus Sinn, da es die ohne anspruchsvollen Aufgaben der Eltern erleichtern kann.

Nach den beiden ersten Phasen der Erziehung

Diese Zuordnung ist aber eben eine bloss eine archetypische. Zwar mag es Müttern leichter fallen „Ja“ statt „Nein!“ zu sagen, doch geht es darum, dass beide Elternteile beide Grundprinzipien der Erziehung lernen und anwenden können. Denn das Kind braucht beides: Es will vorbehaltlos angenommen werden, es braucht aber auch Widerstand, um seinen Willen auf eine gute Art und Weise entwickeln zu können.

Als Eltern müssen Sie deshalb zunächst verstehen lernen, in welcher Phase das Kind was von Ihnen braucht und danach lernen, die beiden Prinzipien situativ angemessen anwenden zu können.

Aufgabenverteilung

Diese archetypische Rollenverteilung während den ersten Phasen der Erziehung ist nun aber klar zu unterscheiden von der späteren Aufgabenverteilung, also der Verteilung von beruflicher Arbeit und Kinderbetreuung. Spätestens wenn das Kind in die (Vor-)Schule geht, sollte die Rollenverteilung der Eltern für das Kind keine Bedeutung mehr haben. Dann sollten sowohl die Mutter als auch der Vater beide Rollen gleich gut beherrschen. Es ist dann unerheblich, welcher Elternteil den grösseren Anteil an Betreuung beziehungsweise Erwerbsarbeit übernimmt.

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